Badisches Tagblatt, 6. Juni 2018

Besser hören dank neuer Technik

Zehn Tage noch, dann beginnt auf der Freilichtbühne in Ötigheim mit der Premiere der Neuinszenierung Der Vogelhändler am Samstag, 16. Juni, wieder die Theatersaison. Geschäftsstellenleiter Marc Moll freut sich schon jetzt über rund 73000 verkaufte Eintrittskarten und Auslastungen von teilweise über 80 Prozent. Es sind aber durchaus noch für alle Vorstellungen Tickets zu haben, wenn auch nicht immer für die allerbesten Plätze. Doch die brandneue Tonanlage der Volksschauspiele verspricht sehr gute Klangqualität auch an den äußersten Seiten des 4000 Personen fassenden Zuschauerrunds.

Die neue Anlage ist ein wahnsinniger Qualitätsschub: Darüber sind sich Manfred Straube, der Regisseur des Vogelhändlers, und der scheidende musikalische Leiter der Volksschauspiele, Ulrich Wagner, einig. Gerade die Chorpartien sollen künftig akustisch viel besser zur Geltung kommen. Pfarrer Erich Penka muss als Vorsitzender der Volksschauspiele auch die Zahlen im Blick haben: Rund eine Viertelmillion Euro koste das technische Wunderwerk. Eine deutliche Bürde für die Schultern des Vereins. Hilfe beim Tragen dieser Last kündigte sich gestern Nachmittag in Form einer gemeinsamen Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel (Grüne) und des Ötigheimer Bürgermeisters Frank Kiefer an: Das Land verspricht einen Zuschuss für die Tonanlage von 164000 Euro.

Da können die Ötigheimer aufatmen – und haben nun vielleicht besonders viel Luft für die durchaus anspruchsvollen Gesangspartien in Carl Zellers Vogelhändler. Eine Operette mit geradezu mozart’schen Charakterzügen, wie sich Regisseur Straube gestern bei der Pressekonferenz der Volksschauspiele freute. Deshalb auch durchaus kompliziert in den Chor- und den Finalpartien. Umso wichtiger, dass die Ötigheimer seit zwei Jahren mit großem Enthusiasmus und Erfolg an dem Stück arbeiten. Das gilt besonders für die Chöre, die in diesem Jahr verstärkt werden durch den Frauenchor Belle Amie und den Männerchor des MGV Ötigheim sowie durch 13 Mitglieder des Extrachors am Badischen Staatstheater.

Dirigent Wagner zeigte sich sehr, sehr glücklich, dass er noch mit der neuen Tonanlage arbeiten kann, denn der Vogelhändler ist neben den Festlichen Konzerten seine letzte Produktion für die Volksschauspiele (wir berichteten). Persönliche Gründe und seine Aufgaben am Badischen Staatstheater veranlassen ihn, den Volksschauspielen Adieu zu sagen. Bewerbungen für die Nachfolge gebe es bereits, verkündete Paul Hug von der künstlerischen Leitung der Volksschauspiele – wir wollen die Entscheidung aber nicht übers Knie brechen.

Neben der großen Neuinszenierung gibt es auch zwei Wiederaufnahmen auf der Freilichtbühne: Erfolgreiche Produktionen, die schon in ihrer jeweils ersten Spielzeit sehr viele Theaterfreunde ins Telldorf lockten. Dschungelbuch – das Musical, ein Theaterspaß für die ganze Familie, hat am Samstag, 7. Juli, Premiere. Regisseur Fritz Müller ist ein alter Hase und erlag nicht der Versuchung, die Wiederaufnahme nach einem Jahr auf die leichte Schulter zu nehmen. Er war aber erstaunt, wie textsicher die Hauptakteure um Mogli und Co. nach dieser Zeit noch sind.

Im Fall der zweiten Wiederaufnahme liegen sogar fünf Jahre zwischen damals und heute.  Der Name der Rose nach dem Roman von Umberto Eco ist ab Freitag, 3. August, zu erleben. Regisseurin Rebekka Stanzel freute sich über die Anfrage der Volksschauspiele nach einer Wiederholung der Erfolgsproduktion: Das ging runter wie Öl. Durchaus als politisches Statement – und zwar gegen den Brexit – versteht Ulrich Wagner seine „Festlichen Konzerte“ (20. und 21. Juli). Im Stil der Last Night of the Proms steht Musik von jenseits des Ärmelkanals auf dem Programm. Wie in England üblich, dürfen Fahnen geschwenkt und kann mitgesungen werden.

Natürlich gibt es auch wieder Gastspiele in Ötigheim: Die „ORSO – Filmmusikgala“ am 7. August, die Schlagerhitparade am 8. August, und „Melodien aus aller Welt mit „Marshall & Alexander“ am 21., 22. und 23. August. (Sebastian Linkenheil)

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