Badisches Tagblatt, 29. November 2017

Benefizkonzert Erinnerungen

Die schönen Künste liegen Horst Hermann im Blut. Wenn er am Samstag, 9. Dezember, ab 16Uhr im Weinbrennersaal des Kurhauses das Benefizkonzert Erinnerungen dirigiert, blickt er zurück auf ein jahrzehntelanges Wirken sowohl in der Musik als auch in der Schauspielerei. Gleichzeitig feiert der aufführende Seniorenchor Mittelbaden sein 15-jähriges Bestehen. Zu seinen Mitbegründern gehört Horst Hermann, der am Konzerttag, 9. Dezember, seinen 90. Geburtstag begehen kann.

Vor 15 Jahren „saßen einige Männer nach der Beerdigung eines Sängerkameraden zusammen und mussten feststellen, dass sie am Grab ihres Freundes nicht gemeinsam hatten singen können, weil nicht alle die gleichen Lieder beherrschten“, erzählt Hermann im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. So kam es, dass sich kurz darauf einige Männer verabredeten, sich in Zukunft zweimal im Monat immer freitags zu treffen, um gemeinsam dem Chorgesang zu frönen. Heute, 140 Auftritte später, gehören fast 70 Sänger dem Chor an. Deutsches Liedgut unverfälscht zu singen, das haben sie sich zum Ziel gesetzt. Zum Jubiläumsprogramm gehören denn auch Titel wie „Klänge der Freude“ von Edward Elgar, „Da unten im Tale“ von Johannes Brahms oder „Die Nacht ist von den Bergen gestiegen“ von Rudolf Desch.

Für Horst Hermann sind Musik und Gesang aber nur ein Teil seiner vielfältigen künstlerischen Begabungen. Geboren im Jahr 1927 in Freiburg, kam er als Dreijähriger nach Ötigheim, nachdem sein Vater dort eine Stelle als Bahnhofsvorsteher angetreten hatte. Der nahm seinen Sprössling schon früh mit auf den Tellplatz, so dass ich von Kindesbeinen an bei den Volksschauspielen mitgemacht habe, sagt Hermann.

Sterben ist nichts, doch leben und nichts sehen, das ist ein Unglück, kann er bis heute Textpassagen von Melchtal, dessen Vater geblendet wurde, aus dem Götz von Berlichingen auswendig zitieren. Unter anderem spielte er Kaiser Franz Josef I. in dem Singspiel Im Weißen Rössel und den Kaiphas in Die Passion, um nur einige seiner zahlreichen Haupt- und Nebenrollen zu nennen, die er im Lauf der Jahre übernahm. Pfarrer Josef Saier wies ihm zudem ein in die Aufgaben eines Regieassistenten. Unter anderem bei Ben Hur, Quo Vadis und Der Brandner Kaspar leitete er die Schauspieler dann später als Regisseur an, eine Tätigkeit, die er 29 Jahre lang ausübt.

Beruflich war er zwischen 1952 und 1989 als Lehrer an fünf Schulen tätig, zuletzt als Rektor der Grund- und Hauptschule in Baden-Oos. An allen Schulen baute er Chöre auf, setzte sich dafür ein, dass seine Schützlinge Ausflüge in Landschulheime machen konnten, und initiierte Altpapiersammlungen. Die offenbar bis heute gültige Rekordmarke liegt bei 27 Tonnen, die einmal in der Weststadt und in Balg eingesammelt wurden.

An seiner Seite in all den Jahren war von der Heirat 1953 bis zu ihrem Tode im Jahr 2011 Ehefrau Lina. Goldene Hochzeit konnten wir feiern, die diamantene nicht mehr, sagt Hermann. Im Jahr 2008 verlieh ihm der damalige Baden-Badener Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz im Anschluss an ein Konzert des Seniorenchors mit der Philharmonie Baden-Baden. Hermann komme durch seine Freude an der Kreativität sehr gut an, versicherte Gerstner damals dem anwesenden Publikum und dem Geehrten, und diese Aussage trifft bis heute zu.

Auch bei dem Konzert am 9. Dezember wird die Philharmonie mit dabei sein. Unter anderem wird das Finale aus der Wagner-Oper Die Meistersinger von Nürnberg vorgetragen, erklärt Hermann. Nummerierte Platzkarten sind für eine Spende von zehn Euro zu bekommen, der Erlös dient dem Erhalt des Brahmshauses in Lichtental. Vorverkaufsstellen sind die Nähstube Giorgetti in der Rheinstraße 20 und die Firma Elektro Heeg in Sinzheim an der Bundesstraße 3. (Ulrich Philipp)

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