Pforzheimer Zeitung, 5. Juli 2014

Bayrisches im Badner Land

Neu-Strelitz liegt am Tegernsee. Jedenfalls in dem Himmel, den die Preußen nach ihrem Sehnsuchtsland Bayern gestaltet haben. Ins Original, den urbayerischen siebten Himmel, dürfen sie ja nicht hinein. Nur der Brandner Kaspar, der alte Schlawiner, will partout nichts von den Seligkeiten im Jenseits wissen. Lieber füllt er den Tod, auf bayerisch Boanlkramer geheißen, mit Kirschgeist ab.

Aber geht das auch gut mit den zusätzlichen Lebensjahren? Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben ist das ideale Stück für alle. Pralle Figuren, Humor und eine lebensnahe Thematik, dazu Gesang und Tanz, das lassen sich die Volksschauspiele Ötigheim nicht entgehen.

Im Zentrum steht das listig ausgefochtene Duell zwischen dem gewitzten Brandner und dem Boanlkramer. So manche Lebensweisheit wird da pointensicher serviert. Fritz Müller gibt einen durchtriebenen Brandner, der nicht nur den Bürgermeister souverän auflaufen lässt, sondern selbst dem Tod mit List und Tücke beikommt. Matthias Götz verleiht dem Boanlkramer nicht nur das passende Aussehen – hager und hohläugig – sondern sehr menschliche Züge. Allein an den Auftritten dieser Beiden hat das Publikum seine helle Freude.

Aber es geht nicht nur um Leben und Tod, sondern auch um Liebe und den Zusammenhang zwischen Geld und Ansehen, also sehr diesseitige Themen. Brandners einzige noch lebende Verwandte, Enkelin Marei, wird vom Jagdaufseher Simmerl geliebt.

Aber Marei zieht den feschen Flori vor, der als Wilderer von der Aura des Rebellen profitiert. Anna Hug spielt die Marei überzeugend temperamentvoll. Florian Müller als Flori und David Kühn als Simmerl könnten ihrer Rivalität

ruhig noch mehr Aggressivität verleihen. Dann wirkt die Versöhnung umso schöner. Regisseur Gerhard Franz Brucker sorgt für lebhaftes, aber nie unübersichtliches Treiben auf der Freilichtbühne. Da springen die Jäger über den Fels, Parforcehornbläser und die Reiterei sorgen für ein authentisches Ambiente. Bodenständig dargestellte Nebenrollen, die klar gesungenen Chornummern, der makellose Dreigesang, der lustige Schuhplattler der Ballettmädchen und nicht zuletzt die lebhaft agierenden Ötigheimer Spielergemeinschaft sorgen für ein munteres badisch-bayerisches Ambiente auf der Bühne. (Nike Luber)

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