Badisches Tagblatt, 12. August 2016

Theaterhase mit badischer Bodenständigkeit

70 zeitintensive Probentage liegen hinter Reinhard Danner, dem „Fred Graham“ in der unwiderstehlich zauberhaften Ötigheimer Inszenierung des Broadway-Klassikers Kiss me, Kate (noch fünf öffentliche Vorstellungen). In der Musicalhauptrolle eroberte der 45-Jährige die Herzen der Zuschauer auf dem Tellplatz.

Neben seinen hauptberuflich im Rampenlicht tätigen Mitstreitern kam Danner bei den Kritikern bestens weg. Hört man seine Interpretation des Cole-Porter-Evergreens Wo ist die liebestolle Zeit?, glaubt man ihm den Amateurmimen nicht. Die Musik ist mir durch meinen Vater in die Wiege gelegt, erzählt der Tenor, der in Oberkirch-Bottenau zu Hause ist und in den Wintermonaten im Freiburger Kammerchor singt. Ich bin tief mit der Materie der klassischen Musik verwurzelt.

Danner entstammt einer musikalisch geprägten Winzerfamilie und ist in der Weinbranche tätig. Dass mein Hang zur Bühne größere Ausmaße annimmt, war für meinen Vater doch eine Überraschung. In jungen Jahren erlag Danner fast der Verlockung, die Berufung zum Broterwerb zu machen. Die badische Bodenständigkeit siegte, die Bühne fand als Hobby ihren Platz in seinem Leben. Den Volksschauspielen Ötigheim ist er seit mehr als 20 Jahren treu.

Entdeckt hat ihn Willi Panter. Der Gründer der Kleinen Bühne formte als Regisseur ebenfalls den Oberkircher Theaterverein Burgbühne. Von dort ließ sich Panter oft vom jungen Danner zum Tellplatz chauffieren. Auf dieser riesigen Naturbühne würde ich auch gern spielen, dachte sich dieser damals. Moses erfüllte ihm 1992 seinen Wunsch in der Rolle eines Kundschafters mit einem einzigen Sprechsatz. 1993 trat Danner als Bräutigam in der Operette Im Weißen Rössl in Erscheinung. Drei Jahre später war er der Schinderhannes, 1997 folgte die Hauptrolle des Räuberhauptmanns im Singspiel Das Wirtshaus im Spessart.

Danners erster Gesangslehrer war das VSÖ-Urgestein Gerhard Franz Brucker. Ab 1997 schulte Danner seine Stimme vier Jahre lang bei Julius Best am Badischen Staatstheater in Karlsruhe. 2009 übernahm er im Rössl mit der Partie des Kellners Leopold eine Traumrolle, brillierte 2013 als Richard im Schwarzwaldmädel. Im bayerischen Schwank Der Brandner Kaspar war er 2014 als gewitzter Tod eine Wucht, wie die Kritiker schrieben. Einen herrlich niederträchtigen Salieri-Spion gab er letzten Sommer in Amadeus.

Bei allen schönen Rollen bleibt doch der Kellner Leopold sein Paradepart: Die Figur ist mir auf den Leib geschneidert und hat auch Parallelen zu Fred Graham; beide sind im Leben ziemlich verstört unterwegs, sagt Danner und lacht.

Der Reiz bilde die Darstellung der männlichen Schwächen der Charaktere, denen das Herz schwer auf der Zunge liegt; aber im letzten Moment kriegen sie die Kurve und geben ihren echten Gefühlen freien Lauf.

Drei Traumrollen hat der alteingesessene Theaterhase noch auf dem Schirm. Welche es sind, behält er für sich und wartet ab, ob einer der Regisseure ihn in den kommenden Jahren als passenden Darsteller dafür sieht.

Als Moderator der festlichen Konzerte ist Reinhard Danner darüber hinaus eine feste Institution auf dem Tellplatz. Seine publikumswirksamen Texte schreibt er selbst. Außerdem gehört er dem künstlerischen Ausschuss der VSÖ an, der den Spielplan festlegt (wir berichteten). (Manuela Behrendt)

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