Badische Neueste Nachrichten, 24. März 2018

Auslastung soll gesteigert werden

Im Theatersommer 2019 wird Münchhausen, der Lügenbaron und Kanonenkugel-Reiter, auf Deutschlands größter Freilichtbühne in Ötigheim Einzug halten. Regie führt bei diesem opulent ausgestatteten und auch (pyro-)technisch aufwendigen Spektakel die Schauspielerin und Theaterregisseurin Johanna Schall – Enkelin von Helene Weigel und Bertolt Brecht. 2020 steht, wie bei der Hauptversammlung der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) im voll besetzten Geschwister-Scholl-Haus ebenfalls zu erfahren war, jenes Stück auf dem Spielplan, das die Volksschauspiele 1910 mit einem Schlag überregional bekannt machte. Regie führt beim Schiller-Drama Wilhelm Tell Rebecca Stanzel. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war die erstmalige Vorstellung der Ergebnisse einer Zuschauerbefragung von 2017.

VSÖ-Vorsitzender Pfarrer Erich Penka freute sich besonders, dass das Schauspiel Luther mit 34 310 Besuchern eine große Resonanz erfuhr, weil es immer riskanter wird, ausgesprochen religiöse Themen auf die Bühne zu bringen. Geschäftsstellenleiter Marc Moll informierte über die Besucherzahlen 2017 (82 189 auf dem Tellplatz und 1 914 im Zimmertheater). Am Geschäftsbericht samt Betriebsabrechnung gab es nichts zu beanstanden, wie die Finanzprüfer Kurt Tüg und Jürgen Nagel feststellten. Der Geschäftsführende Vorstand Maximilian Tüg brachte mit Blick auf den Besuch der Landesminister Guido Wolf und Theresia Bauer seine Hoffnung auf Unterstützung durch das Land zum Ausdruck. Auch informierte er über Investitionen in eine neue elektronische Schließanlage und eine neue Tonanlage.

Paul Hug, Vorsitzender des künstlerischen Ausschusses, teilte mit, dass 2019 auch Schillers Die Räuber und Der gestiefelte Kater der Gebrüder Grimm auf der Freilichtbühne zu erleben sein werden. Im Jahr darauf stehe neben dem Tell und der Wiederaufnahme des gestiefelten Katers auch Alois Johannes Lippls bayerisches Volksstück Die Pfingstorgel wieder einmal im Spielplan.

David Kühn stellte zusammen mit Stephanie Kuhn die Ergebnisse der Zuschauerbefragung vor. Diese soll als Datenbasis für die marketingstrategische Ausrichtung des 1 584 Mitglieder zählenden Volksschauspielvereins dienen. Ausgangslage war, dass Daten benötigt wurden, um eine langfristige Strategie zur Ausrichtung und Weiterentwicklung des Vereins mit dem Ziel einer Auslastungssteigerung zu erarbeiten. Dafür wurden im Sommer bei 29 Vorstellungen Zuschauer befragt. 25 Helfer verteilten Fragebögen, weitere 14 erfassten die Daten. Insgesamt wurden 5 381 Bögen ausgewertet. Gefragt wurde: Was wollen Sie sehen? Welche Autoren? Welchen Inszenierungsstil bevorzugen Sie – und welche Aufführungstermine? Wie zufrieden sind Sie mit …? Oder: Was ist Ihnen wichtig? Nach Auskunft der Projektleiter beteiligten sich 65 Prozent Frauen an der Umfrage. Die meisten Besucher sind, wie sich herausstellte, 61 Jahre und älter. Fast genauso groß sei die Zielgruppe der 31- bis 60-Jährigen, für die spezielle Werbemaßnahmen entwickelt werden sollen. Erstkontakte zur Freilichtbühne erfolgen meist über die Gastspiele. Die Leute kommen zu 49 Prozent aufgrund mündlicher Empfehlungen, aber nur zu zwei Prozent aufgrund der VSÖ-Messeauftritte. Bei der Frage nach den gewünschten Aufführungsterminen erzielte Freitag, 20 Uhr nach Samstag, 20 Uhr das zweitbeste Ergebnis. Und wie geht’s weiter? Es folgt noch eine vertiefende Analyse etwa im Hinblick auf die Frage, welche Altersgruppe mit welchen Verkehrsmitteln anfährt. Künftig soll es alle sechs Jahre eine solche Erhebung geben, erklärte Kühn. (Ralf Joachim Kraft)

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