Badische Neueste Nachrichten, 1. August 2015

Ausflug auf die grüne Insel

Sommernacht in Irland: Das klingt nach langen, hellen Nächten, nach dem Blöken der Schafherden, nach temperamentvoller Tanzmusik mit sehnsüchtigem Unterton und riecht nach grünem Gras nach einem Regenschauer. Zugegeben, die blökenden Schafe fehlten, aber sonst hatte das Jugendorchester der Volksschauspiele Ötigheim fast alles herbeigezaubert, mit Feen, Trollen oder Elfen, wie das in Irland so üblich ist.
Die Elfen und Trolle waren 18 junge Leute, die sich mit Fiddel, also Geige, Cello, Gitarre und Mandoline, Schlagzeug und Klavier ins Tellplatzcasino begeben haben, um zu Beginn der Sommerferien musikalisch auf die grüne Insel zu entführen. Die Fee, die den quirligen Haufen zusammenhielt, war Dirigentin Tanja Maria Wagner, deren anfängliche Angespanntheit vor diesem ersten eigenen Konzert des Jugendorchesters erst einem aufmunternden und dann einem strahlenden Lächeln wich.
Und dazu hatte sie allen Grund: Denn was sie da mit den auf sehr unterschiedlichem Niveau spielenden Kindern und Jugendlichen auf die Bühne brachte, begeisterte die zahlreichen Zuhörer. Vom Student bis zum Kindergartenkind hatte sie für jeden einen Platz gefunden in dem Ensemble, hatte für die großen Einzelaufgaben, also solistische Auftritte bereit, und integrierte den Kleinsten so, dass er das Gefühl, wie es ist, in einem Orchester zu spielen, spielerisch erfahren konnte. Irische Volkslieder wie Drowsy Maggie oder Danny Boy oder Green Fields erklangen ebenso wie der Kanon von Johann Pachelbel, der während eines Irland-Aufenthaltes des Barock-Komponisten entstanden sein soll. Umjubelt vom Publikum der moderne Block mit Viva la Vida, und Skyfall aus dem James-Bond-Film, in dem E-Geigen zum Einsatz kamen. Diese futuristisch anzuschauenden Instrumente boten eine ganz andere Klangvariante, wirkten aggressiver und fordernder. Kai Streiling und Pascal Wagner (E-Geigen) gelang zusammen mit Tanja Maria Wagner am E-Cello eine packende Version dieser Filmmusik. Von Feen, Elfen und Trollen träumte eine andere Filmmusik, nämlich Concerning Hobbits aus Herr der Ringe. Zusammen mit Ulrich Wagner am Klavier eröffneten sich da fast symphonische Klangwelten.
Überhaupt war der Sound des Jugendorchesters, der Klang intensiv und ausgewogen. Wie voll er daher kommt und wie spritzig, das zeigte der Nachwuchs mit dem irischen Ohrwurm „Irish Washerwoman“.
Neben Pascal Wagner und Kai Streiling, der sich als technisch und musikalisch versierter Jung-Solist präsentierte, waren Filip Sabadasz – er wirbelte sein Lieblingsstück „Drowsy Maggie“ auf der E-Geige – , Cedric Dauth und Johanna Pehlivan die weiteren Violin-Solisten, die bei den Folk-Stücken Garry Owen, The Laird ó Drumblair und Sporting Paddy zu zeigen hatten, was sie mit ihren Fingern auf dem Griffbrett und mit ihrem Bogen rhythmisch und technisch draufhaben.
Die Traditional Irish Music hat sich aus dem Lied entwickelt, und Melanie Thilenius sang mit wunderschön natürlicher Tongebung das Volkslied Sally Gardens, begleitet von Felix Bluhm am Klavier, der mit seinem souveränen Spiel sichere Basis wie Ergänzung der Klangfarben war. Ein Lob auch an Jonathan Kerl am Schlagzeug, der sich hinhörend zum Jugendorchester gesellte. (Martina Holbein)

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