Badisches Tagblatt, 26. März 2019

Aus Winterschlaf erwacht

Die Sommerarena der Volksschauspiele Ötigheim ist aus dem Winterschlaf erwacht. An der Optik des Gebirges wird gewerkelt, Wendeltreppen winden sich vom Proszenium in den Musikantenkeller. Erste Proben laufen. Bei mildem Frühlingswetter wuselten am Sonntag zahlreiche Mäuse über das weitläufige Areal.

Mäuse? Jawohl, denn 56 dieser Tierchen gehören zum Märchen Der Gestiefelte Kater nach den Brüdern Grimm. Vor 24 Jahren war es in einer auf die Größe des Tellplatzes zugeschnittenen Bearbeitung von Herbert Broeren erstmals in Ötigheim zu sehen. Nun gibt es eine Neuauflage mit viel Musik. Regie führt Torsten Krug. Völlig hin und weg ist der Spielleiter aus Wuppertal von den Dimensionen der Freilichtbühne. Die Maße seien vorteilhaft, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu lenken, die Zuschauer bei bestimmten Tricks aber auch abzulenken.

Als Basis nutzt Krug, der in Stuttgart aufwuchs und in Tübingen studierte, Broerens dramaturgische Vorlage, integrierte neue Komponenten, passte das Buch an moderne Wortwahl an.Auch schuf er die Texte für die Songs, die Maria Bagger, Leiterin des VSÖ-Kinderchors, und deren Sohn Bernard speziell für die Neuauflage komponierten. Einen Vorgeschmack gab die düster-fetzige Rockmusik à la Cats, zu der Zauberer Manipulu Einzug hielt. Im Sommer spielt eine siebenköpfige Liveband, begleitet als Straßenmusiker das Märchen, informierte Krug. Acht Wochen, in Blöcke bis zur Premiere aufgeteilt, probt er täglich. Das ist der Wahnsinn hier; alle Darsteller sind tagsüber in der Schule, auf der Uni oder im Job, und abends spielen die hier wie der Teufel mit riesigem Elan. Deutschlandweit ist Krug in Sachen Kinder- und Jugendtheater aktiv. Das ist ein ganz ehrliches Publikum, entweder kriegt man sie oder eben nicht. Mit Ballettmeisterin Julia Krug, die der Mäusebande bei der Probe die Richtung weist, ist der Regisseur nicht verwandt. Der Kontakt nach Ötigheim entstand durch Sebastian Kreutz (künstlerische Leitung, VSÖ-Jugendausbildung).

Passt Der Gestiefelte Kater heute noch in die Welt? Krug sagt: Märchen sind völlig zeitlos. Die Geschichte um den sprechenden Kater beinhalte allgemeingültige Themen wie Freundschaft sowie ein magisches Geschehen. Am Sonntag probte der Regisseur erstmals mit dem Kinderballett. Auf dem Plan stand der Showdown zwischen Kater Kasimir (Lucy Schindele) und dem Zauberer (Julian Baumstark), wobei sich der Magier selbst in eine Maus verwandelte. Der Nachwuchs ist laut Tüg vollständig im Märchen eingebunden; das Ensemble besteht aus rund 160 Aktiven. Die Jüngsten sind erst vier Jahre alt. (Manuela Behrendt)

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