Badische Neueste Nachrichten, 6. Juni 2018

Aus Kathedrale entsteht Schloss

Das hört sich doch gut an, was Marcus Moll, Leiter der Geschäftsstelle der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ), an Zahlen präsentiert. 73 000 Karten für den Theatersommer sind bisher verkauft worden. Damit bewegt man sich auf dem Stand des Vorjahres. Am Ende der Vorsaison gingen rund 83 000 Karten an den Mann, beziehungsweise die Frau. Er ist optimistisch, dass sich die Zahl der Besucher auf der des Vorjahres einpendelt. „In Schulnoten ausgedrückt eine 2+“, sagt er bei der Vorstellung des Programms zum Theatersommer.
Die Volksschauspielfans haben im Übrigen durch die Installation der Ampelanlage bei der B 36 am Abzweig Ötigheim nun eine geregeltere Anfahrt zum Gelände. Oder man fährt, wie Moll betont, mit der Bahn. Die VSÖ arbeiten mit dem Karlsruher Verkehrsverbund zusammen und mit einer Eintrittskarte kann man im gesamten Netz des KVV gratis unterwegs sein.
Wir haben viel zu schaffen gehabt, sagt der VSÖ-Vorsitzende Erich Penka und berichtet vom Umbau der Kulisse von einer mittelalterlichen Kathedrale zum Schloss. Auch die Schneiderei hatte durch die Produktion Der Vogelhändler einiges zu tun. Die Operette von Carl Zeller sei ebenfalls für den Chor eine sehr große Herausforderung gewesen, die zwei Jahre Vorbereitung gebraucht habe.
Zeller war ein Mozartfan, sagt Regisseur Manfred Straube, der das Werk des österreichischen Komponisten am 16. Juni zum ersten Mal aufführen wird. Die Recherchen zur Aufführung des Stücks führten ihn nach Berlin und damit zu den Unterlagen von Regisseur Walter Felsenstein. 40 000 Karten seien bisher für das Stück verkauft worden, erzählt Moll – das entspricht einer Auslastung von 80 Prozent. Glücklich über die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist Ulrich Wagner, der musikalische Leiter der VSÖ. Für ihn ist es die letzte Saison. Die überraschende Aufgabe des Amtes habe sie getroffen, sagt Paul Hug, Vorsitzender des künstlerischen Ausschusses. Man sei aber an einer neuen musikalischen Leitung dran.
10 000 Karten sind bisher für die alte, neue Inszenierung von Der Name der Rose verkauft worden. Am 3. August ist sie um 20 Uhr wieder auf der Bühne zu sehen. 2013 war das Stück nach dem Roman von Umberto Eco schon einmal auf dem Programm der Volksschauspiele – mit einer Auslastung von über 90 Prozent. Es sei die Neuerforschung des eigenen Stücks gewesen, erzählt Regisseurin Rebekka Stanzel über die aktuelle Fassung. Details der Inszenierung, in der auch neue Leute miteingebunden wurden, seien durch die Leistung des Ensembles wieder hervorgeholt worden.
Mehrfach im Einsatz beim Theatersommer ist Fritz Müller: In Der Name der Rose spielt er William von Baskerville und dann ist er noch als Regisseur des Kinder- und Familienstücks Das Dschungelbuch unterwegs – ebenfalls eine Wiederaufnahme. Wir haben Gott sei Dank kein Problem mit Neubesetzungen, sagt er bei der Vorstellung des Programms, wenngleich die Auswahl des Stücks wegen der vielen Varianten etwas schwierig gewesen sei.
Wer zurzeit an Großbritannien denkt, der hat wohl erst mal eines im Sinn: den Brexit. Genau das war auch die Inspirationsquelle für Ulrich Wagner. Die festlichen Konzerte stehen in dieser Saison unter dem Motto The Last Night of the Proms. Als eigenständiges Ensemble tritt dabei der Extra-Chor des Badischen Staatstheaters aus Karlsruhe auf. Da „Der Vogelhändler sehr zeitaufwendig gewesen sei, sei ein weiteres Programm mit den VSÖ-Chören nicht möglich gewesen, so Ulrich Wagner.

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