Badisches Tagblatt, 15. Juli 2019

Am Ende hat das Böse keine Chance

Premiere für den Gestiefelten Kater: Das diesjährige Kinderstück der Ötigheimer Volksschauspiele hat am Samstag vor nahezu ausverkauften Rängen seine Erstaufführung gefeiert. Es ist ein fröhliches Spektakel mit viel Musik, Tanz, Gesang und einigen Spezialeffekten, das nicht nur den Kleinen, sondern auch den Großen Spaß macht. Erzählt wird die bekannte Geschichte, die schon die Gebrüder Grimm erzählt haben, die auf der Ötigheimer Freilichtbühne erstmals 1995 gezeigt wurde und die nun Torsten Krug für das Jahr 2019 aufgefrischt und bühnentauglich gemacht hat. Chase Tolbert spielt den Müllersohn Fridolin, der am Anfang der Geschichte steht; und der 20-jährige Ötigheimer meistert seine erste Hauptrolle bei den Volksschauspielen mit Bravour. Fridolin also, der Müllersohn, der beim Erben zu kurz kommt, weil er der Jüngste ist. Nur ein Kater fällt für ihn ab, Kasimir heißt er, und Fridolin überlegt, wie er das Tier wohl wieder loswerden könnte. Schön angeschmiert bin ich mit dem Kater, so sein Stoßseufzer. Doch weit gefehlt – der Kater kann sprechen und erweist sich als echter Glücksgriff. Lucy Schindele, die schon die Heidi gab in Ötigheim, spielt den sprechenden Vierbeiner mit viel Herzblut und begeistert das Publikum. Kater Kasimir, der Gewitzte, schlüpft in Lederstiefel, Wams und Federhut und gewinnt mit Glück und List das Vertrauen des etwas trotteligen Königs (Kurt Tüg) samt seiner überkandidelten Gattin (Sabine Speck) und seines verzogenen Töchterleins (Madeleine Kühn). Der König zeigt sich freigiebig, öffnet die Goldschatulle und glaubt dem Kater sogar noch die Geschichte, dass sein Herr kein zerlumpter Müllersohn sei, sondern der Graf Groß-Fridolin von Schwindel-Flunkerhausen. Reichtum und die Gunst des Königs für Fridolin und Kasimir, die Geschichte könnte hier eigentlich vorüber sein. Wenn da nicht der bösartige Zauberer Manipulu (hervorragend: Julian Baumstark) wäre, der den großen Auftritt liebt, das Volk wie den König piesackt und der eigentliche Gegenspieler des schlauen Katers ist. Der Zauberer will dem König sein Land und seine Reichtümer entreißen, doch der Kater hat anderes im Sinn – es kommt zum großen Showdown mit viel Rauch, speienden Wasserfontänen, Spannung und Dramatik. Es ist ein großer Spaß fürs Publikum, auch wenn bei der Premierenaufführung einer der Spezialeffekte nicht funktioniert: Das flammende Schwert will sich trotz aller Zauberkünste Manipulus nicht in Band setzen lassen. Doch egal: Die Beteiligten überspielen das so professionell, dass kaum jemandem die Panne aufgefallen sein dürfte.Dem Publikum gefällt es trotzdem, und am Ende gewinnt, wie es sich gehört, das Gute. Der Kater triumphiert, er bringt den bösen Manipulu dazu, sich selbst in eine Maus zu verwandeln, und macht dem Nagetier dann den Garaus.Ende gut, alles gut? Fast. Schließlich fußt das gute Ende auch auf der Lüge vom Grafen Schwindel-Flunkerhausen. Frdiolin fasst sich ein Herz, gesteht dem König den Schwindel – und wird trotzdem mit einem Platz im königlichen Schloss und der Hand der Prinzessin belohnt. Nun ist es wirklich vollbracht, das Böse ist besiegt, das Gute hat gewonnen – und das Publikum erhebt sich zu begeistertem Applaus. Premiere gelungen. (Thomas Trittmann)

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