Badische Neueste Nachrichten, 24. August 2017

Alte Liebe rastet nicht

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Bariton Marc Marshall und Tenor Jay Alexander. Doch die Talente aus dem badischen Raum haben sich 1997 nach ihrer Hochschulausbildung zu einem Duo zusammengefunden und sind heute, 20 Jahre später, gefragter denn je. Zur Feier ihrer besonderen Beziehung traten sie auf der Ötigheimer Freilichtbühne zu als Marcello und Alessandro. Denn sie wollten nicht etwa eine chronologische Abfolge ihrer Hits liefern, sondern nahmen ihre Fans zu diesem Anlass mit auf eine Reise in ihr Lieblingsland Italien. Im Reisegepäck hatten sie viele ihrer großen Melodien der vergangenen Jahre, gespickt mit humorvollen Anekdoten.

Allen voran If You Could See Me Now, bei dem sich das gewohnt stilbewusste Team vertraut ansang, um dann zu Passione überzuleiten. Ihre Liebe zur Musik verbindet die individuellen Stimmen im wunderbaren Zweiklang. Die vielseitige zehnköpfige Band unter der Leitung von Frank Lauber begleitete den Titel gut gelaunt mit Querflöte, Akustikgitarren und Bläsern. Italienisch stieg Alexander bei „Vivo Per Lei“ ein und Marshall folgte seinen Zeilen auf Deutsch „In dir finde ich mich wieder“. Seite an Seite boten sie emotionale Songs. Auf Gente Di Mare hatten einige gewartet, und so brach bereits zu den ersten Klängen Jubel aus. Meeresblau erstrahlte die Kathedrale unter freiem Nachthimmel, während die Fans den Refrain mitsangen. Auch in A-cappella-Versionen glänzten die beiden Perlenfischer und riefen mit Mandoline und Akkordeon schließlich bei O Sole Mio/Santa Lucia das Dolce Vita in ihrem Freiluft-Wohnzimmer aus.

Das Land, in dem die Zitronen blühen, entdeckten die Deutschen in den 50ern. Ein Grund, dieser Zeit mit ihrem deutschen Italo Medley ein Denkmal zu setzen. Die Fans kamen gerne ein bisschen mit nach Italien, um mit den zwei kleinen Italienern draußen in der Laube Vino zu trinken. Im Tangorhythmus tanzte das Duo quer über die Bühne und riss ihre rhythmisch klatschenden Fans rechtzeitig vor ihrem umjubelnden Titel La Mer von den Sitzen. Bravorufe, Blitzlichtgewitter und strahlende Scheinwerfer, die die Bühne wie die rote Sonne von Capri erleuchteten, leiteten zu ihrem Durchbruchtitel La stella più grande über.

Nach der Pause erwartete die rund 2 800 Besucher der Freilichtbühne das Zirpen der Grillen im Ötigheimer Wald und Marshall und Alexander sangen endlich Solo Tu, das begeisterten Applaus erntete. Zu In Italy harmonisches Schunkeln, Ausrasten zum Sopransaxofonsolo Laubers bei Mandami Via und zum Italo Hits Medley auf die Stühle steigen. Grande Amore Grande empfanden auch die Fans, die sogleich mit ihren Idolen aus voller Kehle die Edelschmelze Ti Amo anstimmten. Zu guter Letzt zauberten Marshall und Alexander Hand In Hand noch ein Geburtstagsständchen für ihre Fans aus der Lamäng.

Und dann stimmte Marshall Wie schön, dass du geboren bist für seinen Freund Alexander an. Dieser verursachte durch die anschließende Zugabe von Queens Powerballade Who Wants To Live Forever eine angenehme Gänsehaut, bevor sie gemeinsam mit dem Glanzlicht She den krönenden Abschluss ihrer emotionalen knapp dreistündigen Zeitreise feierten. Grazie mille! (Elisa Walker)

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