Badisches Tagblatt, 9. November 2015

Alltagsbanalitäten und gestörte Kommunikationsprozesse

Restlos entzückt waren am Freitagabend die Besucher der Aufführung Das Beste von Loriot in der Kleinen Bühne der Volksschauspiele Ötigheim. Was den Leser allerdings nicht entzücken wird: Alle Vorstellungen, die der erfolgreichen Premiere folgen, sind bereits ausverkauft. Wohl denen, die bereits im Besitz einer Eintrittskarte sind, denn es erwartet sie ein höchst amüsanter Theaterabend mit Musik, Sprache und viel Komik, wie Pfarrer Erich Penka, Vorsitzender der Volksschauspiele Ötigheim, in seiner kurzen Ansprache über Loriots Werdegang und Schaffen in Aussicht stellte.

Fritz Müller hat die Sketche von Vicco von Bülow ausgewählt und die dramatischen Werke und anderen Katastrophen im kleinen Ötigheimer Kammertheater mit Blick fürs Detail vortrefflich inszeniert.

Jede Geschichte spielte in ihrer eigens ausgestatteten Szenerie. Die Kulissenschieber Jannik Friedrich, Kim Träbert und Herta Vogel gestalteten die Bühne mit rascher Akkuratesse um. Vom Klavier aus, mit dem Klaus-Martin Kühn so lange musikalische Kurzweil bot, äugte die Büste eines Knollennasenmännchens ins Publikum.

Regisseur Müller ging 1995 erstmals die Idee an, mit der er sich seit den 1980er Jahren nach einem Loriot-Abend in Freiburg beschäftigt hatte, und brachte die hintersinnigen Betrachtungen über Alltagsbanalitäten, die Tücke des Objekts sowie gestörte Kommunikationsprozesse, deren szenische, groteske Umsetzung mit schlüpfrigen Akzenten Vicco von Bülow meisterlich beherrschte, auf die Kleine Bühne. Vor zehn Jahren setzte Müller den Stoff erneut um.

Dass er hervorragendes Gespür für Loriots irrwitzigen Sprachperfektionismus, taktgenauen Mimik- und Körpereinsatz, mitunter verschrobene Maske sowie pedantisches Timing hat, zeigte sich in dem riesigen Unterhaltungsgenuss, dem das Publikum frönte. Die Akteure Alexander Grünbacher, Tina Kalkbrenner, Bernadette Kölmel, Paul Kühn, Siegfried Kühn, Fritz Müller, Kurt Tüg und Sonja Waldner stellten sich mit großer Bravour einer enormen sprachlichen Herausforderung bis hin zum lakonischen Ach was!. Den begeisterten Zuschauern gefiel der Abend. Für das Zwerchfell war er eine Tortur, denn vor Lachen war kaum zu Atem zu kommen. (manu)

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