Badisches Tagblatt, 24. Februar 2016

Alles Käse

Wenn man auf den Kartenabsatz schaut, dann ist der Erfolg des Kindermusicals Max und die Käsebande auf der kleinen bühne Ötigheim schon programmiert: Alle fünf Termine sind ausverkauft. Aber auch bei einem Probenbesuch im neuen Tellplatz-Casino konnte man sich überzeugen, dass der Kinderchor der Volksschauspiele auf dem besten Weg ist, ein pfiffiges Kriminalstück auf die Bühne zu bringen, das durch liebevolle Inszenierung und witzige Gesangseinlagen, vor allem aber den Eifer aller Beteiligten besticht.

Im Königreich Käsien haben Yogi Yoghurt und Rolly Harzer unrechtmäßig das Regiment an sich gerissen, König Kurt entmachtet und Prinzessin Mozzarella ins Gefängnis gesperrt, verraten die Verantwortlichen aus dem Inhalt. Das sind Regisseur Reinhard Kölmel und die musikalische Leiterin Maria Bagger. Die Choreographie stammt von Julia Krug. Gesungen und getanzt wird zur Musik von Peter Schindler, die bei den Aufführungen nicht etwa vom Band kommt. Eine professionelle Liveband ist mit von der Partie. Sie besteht aus Matthias Hammerschmitt (Klavier), Nico Behringer (Gitarre), Michael Nold (Bass-Gitarre) und Johannes Tüg an Schlagzeug. Molly Appenzell und ihre Käserkollegen befürchten im Stück das Schlimmste: Fader Einheitskäse statt herzhaftem Parmesan und leckerem Chester! In ihrer Verzweiflung verbünden sie sich mit Käsedieb Max und seiner Käsebande. Ob es Mäuse und Käsern gelingt, den Einheitskäse zu verhindern?

Gut 40 junge Darsteller von acht bis 16 Jahren agieren auf der Bühne, alle in fantasievollen Kostümen, für die Ulrike Heck-Petri verantwortlich zeichnet. Musikalisch und mit Liebe zum Detail ausgewählten Requisiten werden die verschiedenen Käsenationen vorgestellt. Manchem Probenbesucher am Rande des Geschehens kam es schon so vor, als ob es sogar ein bisschen nach Käse gerochen hätte.

Das Stück haben wir ausgewählt, weil es für unsere Möglichkeiten sehr geeignet ist, erklärt Maria Bagger. Es gibt viele Sprechrollen, darunter auch kleinere. So hat fast jedes Kind einmal seinen persönlichen Auftritt. Das sei für die Nachwuchsbildung der Volksschauspiele sehr wichtig, betont Regisseur Kölmel. Auch die alten Hasen hätten schließlich mal mit einem einzigen Satz auf der Bühne angefangen.

Dirigentin Bagger freut sich auch über die musikalische Vielfalt im Stück mit 17 sehr unterschiedlichen Songs und etlichen Chorpartien. Und Kölmel schwärmt von Rock ’n‘ Roll-Nummern, Walzern, Swing, einem Klagelied im Klezmer-Stil, Balladen und einer veritablen Opernarie. Sowohl die Fortgeschrittenen des Orchesterchors als auch die Nachwuchssänger kämen so auf ihre Kosten. Am wichtigsten sei aber die Ensembleleistung. Geeignet ist das Stück für Musicalfreunde ab sechs Jahre. Und: Das Kinderstück will zwar in erster Linie Spaß machen, hat aber zudem eine Aussage: Auch in scheinbar auswegloser Situation lohnt es sich, mit anderen zusammen für echte Werte zu kämpfen. Und wenn es nur Käse ist. (Sebastian Linkenheil)

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