Badische Neueste Nachrichten, 15. Juni 2015

Die Botschaft ist heute aktueller denn je

Ein ganzes Dorf ist wieder im Ausnahmezustand: Der 109. Theatersommer auf Deutschlands größter Freilichtbühne hat begonnen. Den Auftakt machte gestern Die Passion von Gründerpfarrer Josef Saier, die seit ihrer Uraufführung 1948 schon elfmal auf dem Spielplan stand, zuletzt 2000. Rund 2 700 Senioren erlebten am Samstag die Vorpremiere des dreieinhalbstündigen Hauptstücks in einer Inszenierung von Stefan Haufe. Premiere war am gestrigen Sonntag vor nicht ausverkauftem Haus.
2  200 Besucher verfolgten die Aufführung, darunter viel Prominenz aus Landes- und Kommunalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft und, mit Marshall & Alexander, auch aus dem Showbiz. Rund 140 Statisten, 60 Darsteller in mehr als 40 Rollen, 230 Sänger/innen der VSÖ-Chöre und des MGV 1863 Ötigheim sowie rund 30 Ballett-Tänzerinnen und die Reiterei der Volksschauspiele wirkten mit an der monumentalen Produktion. In den Hauptrollen glänzten bei der Premiere Schauspielprofi Eric van der Zwaag (Jesus Christus) und Ulrike Karius als dessen schillernder Widerpart Luzifer.
Bereits am Sonntagmorgen hatten einige hundert Gläubige den von Chor und Orchester umrahmten Gottesdienst zur Tellplatzeröffnung gefeiert. Weihbischof Michael Gerber lobte die liebevolle Detailarbeit und das Zusammenfließen vieler unterschiedlicher Begabungen. In seiner Predigt zum Saisonauftakt betonte Gerber, dass es in diesem Stück im Grunde keine Zuschauer gebe. Wir alle sind Beteiligte und können unsere eigene existenzielle Rolle im Spiel des Lebens entdecken. Die Passion sei Gegenwart und Realität für viele Menschen dieser Welt. Ist die Geschichte vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus noch zeitgemäß? Und wie aktuell ist die Botschaft Jesu, die seit mehr als 2 000 Jahren den Menschen Hoffnung und Lebenskraft gibt?
Immer wieder machten sich die jeweiligen Regisseure Gedanken über Saiers Passion. Auch Stefan Haufe stand vor der Herausforderung, die hinlänglich bekannte Geschichte so in Szene zu setzen, dass sie beim Publikum ankommt. Fokussiert auf den weltlichen Bereich, vermittelt er den Zuschauern, dass sie die Botschaft Jesu auch im 21. Jahrhundert noch etwas angeht. Besucherin Tanja Mihajlov erklärte im BNN-Gespräch, dass sie den Stoff und die Botschaft gerade heute für aktueller denn je halte und es dem Regisseur gelungen sei, das Stück zeitgemäß, kurzweilig, atmosphärisch dicht und mitreißend in Szene zu setzen. Ich kenne alle Inszenierungen nach dem Krieg und habe in einigen Produktionen auch selbst mitgespielt. Aber das hier ist eine der beeindruckendsten, stellte der Ötigheimer Manfred Gallion fest. Das Bühnenbild und die Massenszenen sind toll. Es gibt viel Musik und Gesang. Und der Anfang mit den Kindern, die mit ihren Handys telefonieren, oder die Figur des Luzifer, der wie ein Conférencier durch das Stück führt, stellen sofort den Bezug zur Gegenwart her, befanden Marisa Funk (16) und ihr 13-jähriger Bruder Felix aus Bad Mergentheim. (Ralf Joachim Kraft)

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