Badische Neueste Nachrichten, 19. August 2016

Adoro lässt die Herzen schmelzen

Bereits zur Pause ist die Stimmung beim Auftritt von Adoro am Mittwochabend bei den Volksschauspielen in Ötigheim bestens. Während auf der Bühne bei der deutschen Version von Celine Dions Titanic-Hit My heart will go on gerade noch einmal so richtig Herzschmerz verursacht wird, packen Verena und Bernd Kölmel wenige Meter weiter genüsslich ihre kleinen Knusperbrezeln und ein Gläschen Sekt aus. Mit weit mehr als einem Dutzend Ötigheimern haben sie es sich vor dem Eingang der Volksschauspiele bequem gemacht: Wir sehen leider nichts, aber die Musik ist super, sagen die beiden.

Auch Marian Schwegler und seine Freundin Franziska Weiterer sind gekommen, um sich das Konzert hier anzuhören. Die Karten waren einfach zu teuer, sagen die beiden Studenten und freuen sich, dass man auch vor den Toren der Volksschauspiele Lieder wie Ich lass das Licht an oder Stark genießen kann. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die zahlenden Gäste mit einem Altersschnitt von weit über 60 einen tollen Blick auf die große vor dem Hauptgebäude aufgebaute Bühne genießen. Die vier Sänger von Adoro haben zu ihrem Sommer-Open-Air in Ötigheim gleich ein ganzes Orchester mitgebracht. Während die Jungs an der Gitarre, dem Bass, dem Keyboard und den Percussion-Instrumenten für beste Musik sorgen, stehen ihnen an den Streich- und Blasinstrumenten sowie am Klavier die Damen in nichts nach.

Peter Dasch (Bassbariton), Nico Müller (Bariton), Jandy Ganguly (Bariton) und Assaf Kacholi (Lyrischer Tenor) überzeugen auf der Bühne mit ihren bestens ausgebildeten Stimmen und flotten Überleitungen zwischen den einzelnen Liedern. Allesamt sind sie dem Publikum bekannt, werden von Adoro aber völlig neu arrangiert – etwa bei Udo Lindenbergs Hit Horizont oder Pe Werners Kribbeln im Bauch. Besonders gut kommt bei den Besuchern die Idee an, dem Orchester eigene Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. So gehört ein Instrumentalstück zum Programm, das kräftig beklatscht wird. Das Programm ist sehr abwechslungsreich und hat uns sehr gut gefallen, ist dann immer wieder zu hören. So auch von Christiane Schneider, die das erste Mal in Ötigheim ist: Ich habe schon viele Adoro-Konzerte miterlebt. Die Stimmung hier auf der Freilichtbühne ist aber eine ganz besondere, sagt die Frankfurterin, die extra für das Konzert nach Mittelbaden gereist ist: Jetzt geht es auch gleich wieder nach Hause, bedauert sie.

Kaum ist die Pause vorbei, wird es hinter den Kulissen entspannter. Dort, wo noch vor wenigen Minuten mehrere Tausend Besucher ihren Sekt und ein paar kleine Häppchen genossen haben, kehrt so langsam wieder Ruhe ein. Einige der Servicekräfte stehen sonst selbst auf der Bühne. Beispielsweise schon am kommenden Wochenende, wenn „Kiss me Kate“ gegeben wird. Nun räumen sie die Gläser zusammen und rechnen die Getränkekasse ab. Die Ötigheimer sind eben Multitalente, die nicht nur vor, sondern auch hinter den Kulissen zu glänzen wissen. Von all dem bekommen die Besucher im weiten Rund der Volksschauspiele, das gut gefüllt aber bei weitem nicht ausverkauft ist, nichts mit. Sie genießen den zweiten Teil des Programms.

Mittlerweile ist es dunkel geworden, und so kommen die Lichteffekte besser zur Geltung. Da wird Peter Maffays Über sieben Brücken ebenso gefeiert wie Unheiligs Geboren um zu leben.

Der hört sich ganz anders als im Original an: aber irgendwie auch richtig schön, findet Verena Kölmel, nippt noch einmal an ihrem Glas Sekt und freut sich über einen richtig schönen Abend in einer lauen Sommernacht: Auch wenn sie vor den Toren der Volksschauspiele keinen der Musiker oder Sänger gesehen hat. (Stephan Friedrich)

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