Badisches Tagblatt, 20. Mai 2016

Abschiedsgeschenk an die Volksschauspiele

Ein Theaterfest auf die Beine zu stellen, ist für Werner Sachsenmaier fast schon Routine. Wir haben etliche dieser Veranstaltungen hinter uns; sie gehören zu besonderen Gelegenheiten dazu, sagt der geschäftsführende Vorstand der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ).

Der letzte Anlass bot sich vor fünf Jahren zum 50. Geburtstag des Zuschauerdachs. Am 29. Mai ist es das 110-jährige Bestehen des Schauspielvereins. Zudem ist die Organisation des Kulturhappenings Sachsenmaiers Abschiedsgeschenk an die VSÖ, denn nach der Sommersaison gibt er im Oktober sein Amt ab. Dass er die Gestaltung des mit großem Programm vollgepackten Tags allein managt, weist Sachsenmaier von sich: Ich gebe Anstöße; die Umsetzung geschieht in Teamabsprache, federführend liegt die Koordination bei Rudi Wild (Spielbetrieb).

Dem geschäftsführenden Vorstand ist das erfolgreich ineinander greifende Teamgefüge der VSÖ sehr wichtig: Das macht uns aus. Intensiv geplant hat er das Theaterfest in zweimonatiger Vorarbeit mit Ton- und Lichttechnikern, dem Platzmeister sowie jeweils einem Vertreter der Arbeitsgremien in der Vereinsverwaltung. Wir gehen nach einem Grundmuster vor, das wir nach Aktualität bestücken, erklärt Sachsenmaier. Die Kostümversteigerung haben wir beim Badischen Staatstheater in Karlsruhe abgeschaut, outet er sich als Fan des jährlichen Theatertags in der Fächerstadt. Die Volksschauspiele zeigen am 29. Mai elf Stunden lang ihr breites Spektrum, blicken auf die Dekade nach dem 100-jährigen Bestehen im Jahr 2006. Als Gäste hat man Musikvereine, -gruppen, Sangesgemeinschaften sowie hauptberufliche Mimen und Vokalkünstler eingeladen, die als Verstärkung bei Tellplatz-Produktionen dabei waren. Wer unsere Spielergemeinschaft erlebt hat, kommt in der Regel gern wieder, sagt Sachsenmaier. So auch Laura Kiehne aus Berlin. In der Jubiläumsshow lässt sie ihre Rolle als Jungfrau von Orléans, einem der meistgespielten Stücke auf dem Tellplatz, aufleben. Die Show ist laut Sachsenmaier das i-Tüpfelchen des Theaterfests und gleichzeitig eine spannende Stunde für den geschäftsführenden Vorstand. Da geschieht alles ad hoc, weil wir keine Zeit haben, das Ding vorher zu proben. Dennoch ist Sachsenmaier zuversichtlich: Alle kennen und können ihre Parts. Auch Martin Kühn, der zum Showauftakt für Gerhard Franz Brucker, den letzten, echten Ötigheimer Tell, einspringt. Kühn, dessen Vater Josef 1976/77 und 1988 in der Rolle des Freiheitskämpfers brillierte, spricht den Monolog an der hohlen Gasse. (Manuela Behrendt)

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