Badische Neueste Nachrichten, 21. Juni 2016

Abonniert auf Jedermanns Tod

Wenn Werner Sachsenmaier das Amt des geschäftsführenden Vorstandes der Volksschauspiele Ötigheim am Ende der Saison in jüngere Hände gibt, geht im Telldorf eine Ära zu Ende. 25 Jahre wirkte der 1945 in Ötigheim geborene Werner Sachsenmaier an vorderster Front. Bereits seit 1970 engagiert er sich in der Verwaltung der Volksschauspiele und bereits seit 1956 ist er als Akteur auf Deutschlands größter Freilichtbühne aktiv.

Das erste Mal stand ich als Elfjähriger auf der Bühne, berichtet Sachsenmaier und fügt lachend hinzu: Für Ötigheimer Verhältnisse also fast schon ein Spätberufe-ner. Seine Eltern lebten zwar bereits lange vor seiner Geburt in Ötigheim und seine Mutter hatte eine damals noch existierende Dauerkarte für die Freilichtbühne, selbst aktiv aber waren sie bei den Volksschauspielen nie. Ganz anders die Kinder. Meine beiden Geschwister und vor allem unser Nachbar, Lehrer Alfons Leitz, haben mich zum Theaterspielen gebracht, blickt Werner Sachsenmaier zurück. Ein Ministrant in der Jungfrau von Orleans war 1956 seine erste Rolle. Seitdem hat er jedes Jahr auf Deutschlands größter Freilichtbühne mitgewirkt. So spielte er unter anderem den reichen Jüngling und den Nathan in der Passion, Paulus in Quo vadis oder den Raffel in Andreas Hofer. Eine ganz besondere Rolle ist für Werner Sachsenmaier der Tod im Jedermann. Egal ob auf der großen Frei-lichtbühne oder auf der kleinen Bühne: den Tod habe ich bisher immer gespielt, wenn er in Ötigheim aufgeführt wurde, berichtet er.

Hinter den Kulissen der Volksschauspiele hat der Ötigheimer wohl schon fast alle Funktionen einmal inne gehabt. So ist es kein Wunder, dass man ihn 1991 zum geschäftsführenden Vorstand berief. Wobei er viel Wert darauf legt, stets einer von vielen gewesen zu sein. Wir haben immer im Team gearbeitet. Das zeichnet die Volksschauspiele bis heute aus, sagt Werner Sachsenmaier und verweist darauf, dass Jung und Alt nicht nur beim Theaterspielen Hand in Hand agieren. Wenn ich in den Aufführungspausen einen achtjährigen Knirps neben einer 80-jährigen Mitspielerin sehe, die seit Jahrzehnten mitwirkt, dann geht mir das Herz auf, berichtet Sachsenmaier. Die Organisation verschiedener Jubiläen fallen ihm beim Rückblick auf mehrere Jahrzehnte an vorderster Front bei den Volksschauspielen spontan ein. Natürlich sei das 100-jährige Bestehen der Freilichtbühne 2006 etwas besonderes gewesen, so Sachsenmaier.

Erinnern kann er sich auch noch sehr gut, als Anfang der 1980er Jahre der Kartenvorverkauf auf ein EDV-gestütztes System umgestellt wurde. Bis dahin gab es rund 15 Vorverkaufsstellen. Freitagabends und samstagmorgens sind wir alle abgefahren, um die Restkarten einzusammeln, erinnert sich Werner Sachsenmaier. Heute dagegen kann jeder Besucher sein Ticket platzgenau via Internet ordern. Vor 25 Jahren undenkbar. Wir sind immer mit der Zeit gegangen, sagt Sachsenmaier. Dies betrifft auch die Auswahl der Stücke, die jedes Jahr gespielt werden. So öffnete man sich Mitte der 1990er Jahre für das Musiktheater, nahm 1991 das beliebte Kinderstück mit in das Programm und spielt seit 1982 jedes Jahr die festlichen Konzerte. Zudem wurden Ende der 1980er Jahre Gastspiele eingeführt. So sind in diesem Jahr auf der Freilichtbühne unter anderem Marshall und Alexander zu Gast und es gibt ein Wiedersehen mit Magic of the Dance.

Werner Sachsenmaier wird sein Amt als geschäftsführender Vorstand nach Abrechnung der Spielzeit im Oktober in jüngere Hände geben. Dann will er mit seiner Frau mehr reisen und die Tage etwas entspannter angehen lassen. Den Volksschauspielen wird er künftig weiterhin als Rollenträger zur Verfügung stehen. Zudem will er sich um die Seniorenarbeit des Volksschauspielvereins kümmern und das von ihm aufgebaute Archiv weiter betreuen. Langweilig wird mir nicht werden, ist sich Werner Sachsenmaier sicher. (Stephan Friedrich)

zurück zum Pressespiegel