Badische Neueste Nachrichten, 20. August 2015

Als stünde Agnetha selbst auf der Bühne

Mehr als 40 Jahre alt sind die Songs. Noch immer klingen sie frisch und jung, erzählen im schwungvollen Pop-Sound von Liebe, von Herzschmerz, von Leidenschaft, von Money, Money, Money und von Fernando.

Einen Abend lang huldigten die Fans mit A Tribute to Abba ihren Stars von einst. Die rockten von 1972 an rund zehn Jahre lang die Charts. Die Schweden-Show auf der Ötigheimer Freilichtbühne war ausverkauft. Während sich vor dem Areal ein paar Zaungäste einfanden, um wenigstens den Klang mitzuerleben, gab es drinnen obendrein so manchen Augenschmaus, bedauerlicherweise auch die schmerzliche Erkenntnis, dass viel Technik im Spiel war. Für einen kurzen Moment schien Mia Löfgren in der Rolle der blonden Agnetha der Atem zu stocken, als ihr das Playback einen Streich spielte und gänzlich unerwartet eine Songzeile wiederholte. Der Gaudi in den dicht besetzten Zuschauerrängen schien das keinerlei Abbruch zu tun. Während Einzelne schon ab dem ersten Song tanzten und mitsangen, stand bald auch das übrige Auditorium. Willig schnellten die Gäste in die Höhe, übten sich in den Abba-Ein-Finger-Moves und sangen lautstark die Refrains mit.

Denn die Show und die Akteure hatten es in sich. Mit an Bord war in Gestalt von Mike Watson und Janne Kling quasi ein echtes Stück Abba. Während der eine in kleinen Zwischensequenzen die typischen Bass-Riffs von einst vorführte, hatte Janne Kling neben seinem Saxofon die echte Fernando-Flöte mitgebracht. In Bolivien hätte er das unscheinbare Instrument erworben, für etwas weniger als einen Euro. Das Spielen darauf, das habe er sich selbst beigebracht, berichtete er und gab selbstredend eine kleine Kostprobe.

Die wiederum klang so sehr nach dem echten Schweden-Quartett mit seinen außergewöhnlichen Kostümen, Plateau-Sohlen unterm Schuhwerk inklusive, dass es zuweilen schien, als stünden Agnetha Fältskog, Anni-Frid Lyngstad, Benny Andersson und Björn Ulvaeus höchstpersönlich auf der Bühne. Das Ganze schmuck verpackt in aparte Lichteffekte und eingebettet in eine höchst sportive Tanzshow war ein echtes Rundum-Wohlfühl-Paket für Abba-Fans.

Ob nun Playback oder live, bei so einem rundum gelungenen Abend stellte sich diese Frage vielfach nicht. Stattdessen schnellten Handys und Kameras in die Höhe, um möglichst viel von dem Event digital für die persönliche Ewigkeit aufzuzeichnen. Ein berauschender Gute-Laune-Abend, der in vielerlei Hinsicht ausgelegt war, die Zuschauer von den Sitzen zu holen – tanzend oder voller Begeisterung. (Christiane Krause-Dimmock)

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