Badisches Tagblatt, 16. April 2018

Lebensleistung gewürdigt

Erstmals wurde gestern der Peter-Selbach-Gedächtnispreis innerhalb der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) vergeben. Die Ehrungsmatinee für Alfons Rieger und Maria Bagger fand im Tellplatz-Casino statt.

Der Juryvorsitzende Wolfgang Sieber erklärte die Entstehung des Innovationspreises, den der große Theatermann Peter Selbach für seine sehr geliebten Volksschauspiele hinterließ. Als humorvoller, wortgewandter Laudator erwies sich Matthias Hammerschmitt, von 1996 bis 2012 musikalischer Leiter der VSÖ. Dass Alfons Rieger, Jahrgang 1932, den Preis für seine Lebensleistung verdient habe, machte Hammerschmitt mit einem ausführlichen Blick auf das Schaffen des Geehrten sowie kleinen Lebensgeschichten deutlich und stellte fest: Ohne Alfons? Ideen und seine zähe Arbeit gäbe es heute die festlichen Konzerte als Zuschauermagnet nicht. Hammerschmitt nannte Rieger eine originelle Persönlichkeit, die so wunderbar korrespondiert mit diesem Fleckchen Erde hier, mit den Menschen und ihrem Charakter.

Rieger erlernte ab 1947 das Spiel auf der Geige, folgte damit einem Aufruf von Pfarrer Josef Saier nach Orchestermitgliedern. 1949 saß Rieger als Violinist im Bühnenorchester für Die Passion. Von 1958 bis 1972 spielte er Geige, Klarinette und Altsaxofon in der Tanzkapelle Schwarz-Weiß. 1970 gründete er das Ötigheimer Kammerorchester, 1982 hob Rieger die festlichen Konzerte aus der Taufe. Von 1971 bis 1984 dirigierte er zudem das Orchester des Mandolinenvereins. Rieger ist auch Gründer des VSÖ-Jugendorchesters, das er bis 2014 leitete. Er sei ein Vollblutmusiker, sagte der Laudator. Und: Der Funke glimmt immer noch.

Die Brücke zu Maria Bagger, Jahrgang 1973, die in Estland aufwuchs, schlug Hammerschmitt so: Die VSÖ und der Gesang sind untrennbar miteinander verbunden; kein Schauspiel ohne Chöre. Der Gesang sei das Phänomen, an dem sich der Ötigheimer Spielstil, neben den Massenszenen und Tierauftritten, festmachen ließe. Was beim Theaterverein indes fehlte, war ein Kinderchor. Die Lücke füllte man ab 2004. In Bagger, die nach dem Besuch des Musikgymnasiums in der estnischen Hauptstadt Tallinn Komposition und Methodik für musiktheoretische Fächer studierte und ihre Gesangsausbildung ab 1980 bei dem international bekannten Mädchenchor Ellerhein erhielt, fand sich als Leiterin genau die Richtige. Bagger bringe für den Job die seltene Mischung aus Mutter und Feldwebel mit, so Hammerschmidt.

Als Credo der bescheidenen jungen Frau nannte der Laudator einen einzigen, kurzen Satz: Singen ist mein Leben! Behutsam fördere die Chorleiterin besondere Talente, ziehe den solistischen Nachwuchs in puncto Gesang heran und fördere mit der Grundausbildung der Stimme für das Schauspiel ebenfalls ein gut gestütztes Sprechen. Außerdem lehrt sie Rhythmusgefühl, ein gutes Ohr, Einbinden in eine Gruppe und Disziplin. Die Arbeit von Maria Bagger sei so gut, dass Sie in unserer Gegend lange suchen müssen, um einen so guten Kinderchor vorzuweisen, sagte Hammerschmitt. Als Beispiel für Baggers Arbeit verzierten Kinderchor und Vokalensemble der VSÖ die Ehrungsmatinee. Instrumental begleitete Bernard Bagger, der Sohn der Preisträgerin, die Sänger am Klavier. (Manuela Behrendt)

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