11.06.2015

A Tribute To ABBA: Interview mit Marcus Gorstein (Musikalischer Leiter)

Während auf der Welle einer weltweiten ABBA-Euphorie das Musical Mamma Mia zwischen New York, London und Hamburg alle Verkaufsrekorde gebrochen hat und die Musicalverfilmung im Kino mit Meryl Streep und Pierce Brosnan für Furore sorgte, kommt nun die ultimative ABBA-Show A Tribute To ABBA – The Music Show, eine Produktion mit allen ABBAOriginal-Hits und original Musikern, auf Deutschland-Tournee.

Marcus Gorstein, der musikalische Leiter der Produktion, entstammt eigentlich einer anderen Musiktradition als Sohn von Arnold Fritzsch und Eva Diessner. Er feierte unter anderem als Hauptdarsteller in Jesus Christ Superstar mit Anna Maria Kaufmann Erfolge.

Marcus produzierte und sang die Titelmusik zu der ARD-Serie Berlin, Berlin, die den Grimme-Preis, Deutschen Fernsehpreis, Emmy-Award für die beste Fernsehserie international erhielt. Weitere Produktionen sind das Album Uferlos der Zöllner und Auf ewig Weihnachtvon Aurora Lacasa. 2014 arbeitete er unter anderem für das neue Karat Album als Songwriter.

Woher kommt die ungeheure ABBA-Euphorie, die auch sie selbst gepackt hat? Was ist der Grund, dass der Mythos ABBA heute immer noch so lebendig ist?

Marcus Gorstein: Meiner Meinung nach sind es drei Dinge: die großartigen, zeitlosen Songs; die persönlichen Erinnerungen, die viele Menschen mit jener Zeit verbinden und das Schicksal der beiden Paare, der Erfolg, aber auch das Drama der Trennung – all das fasziniert die Menschen über alle Grenzen hinweg. Hinzu kommt, dass sich ABBA immer treu geblieben sind. Sie haben auf ein Revival verzichtet, obwohl es sehr lukrative Angebote gegeben hat. Das hat den Mythos nicht zerstört, sondern eher unsterblich gemacht.

Was macht für Sie das ABBA-Feeling aus?

M.G.: ABBA ist nicht nur einmalige Musik, sondern ein Lebensgefühl – da kommen alle menschlichen Emotionen zur Entfaltung: Melancholie genauso wie Fröhlichkeit, Leidenschaft ebenso wie Besinnlichkeit. Wer zu A Tribute To ABBA – The Music Show kommt, erlebt einen wunderbaren Abend, an dem er seine Probleme an der Garderobe abgeben kann. Wildfremde Menschen nehmen sich an die Hand und singen I Have a Dream – da geht mir das Herz auf. ABBA ist eine der ganz wenigen Pop-Gruppen, deren Songs von Generation zu Generation weitergegeben werden. So besteht unser Publikum tatsächlich aus drei Generationen – das ist quasi modernes Family-Entertainment.

Würden Sie sagen, dass die ABBAs auch als Stil-Ikonen ein Vorbild waren?

M.G.: Auf jeden Fall. ABBA waren in den Siebzigern doch Mitbegründer einer neuen modernen Popkultur. Denken Sie nur an den ABBA-Auftritt beim Eurovision Song Contest 1974 mit den für damalige Verhältnisse ungewöhnlich schrillen Kostümen. Und mit ihrer vielseitigen Instrumentenwahl, den modernen Arrangements und ihrer ausgefeilten Studiotechnik haben ABBA zu ihrer Zeit zudem musikalisch ganz neue Standards gesetzt. Das beeindruckt mich noch heute sehr.

Sie haben schon bei vielen Erfolgsproduktionen mitgewirkt wie dem Musical Marilyn oder bei der Emmy-preisgekrönten TV- Serie Berlin, Berlin. Was war es für ein Gefühl, die Möglichkeit zu haben, den Benny Andersson zu vertreten?

M.G.: Ich war sehr nervös und habe mich gefragt, ob die Menschen wohl meine Version akzeptieren würden. Dann habe ich mich in der Musik aber sofort wiedergefunden und erlebe eine Menge Freude an den Songs. Wir haben Riesenspaß bei dem, was wir da tun und das schwappt komplett über ins Publikum!

Freuen Sie sich darauf, mit den original ABBA-Bandmusikern zusammen zu arbeiten?

M.G.: Es ist schon fantastisch, mit solchen Größen auf der Bühne stehen zu dürfen. Diese Musiker haben dabei mitgewirkt Musikgeschichte zu schreiben. Sie haben über einen langen Zeitraum mit ABBA im Studio und auf Tourneen musiziert und gelebt, in ihnen ist der Geist ABBA‘s zugegen. Bei A Tribute To ABBA – The Music Show spielt wirklich der Saxofonist, der bei Fernando im Original die unglaublichen Terzen aufs Magnetband brannte – Janne Kling. Das ist absolut einmalig. Ich bin also wirklich dankbar, diese Erfahrung zu machen, einerseits musikalisch, andererseits auch menschlich. Es sind wirklich tolle Kollegen.

Glauben Sie, dass sie ein Stück von der Original-Stimmung von damals produzieren können?

M.G.: Sicher ist ein großer Teil der ABBA Stimmung zugegen. Die Jungs haben ja durch ihre Art zu spielen und ihren Klang den Sound ABBA‘s mitbestimmt. Die Art zu phrasieren, der ganze musikalische Ausdruck kommt in den Aufnahmen, die wir alle so gut kennen, und ihrem Spiel auf der Bühne toll rüber. Das hat einen ganz eigenen, ABBA-typischen Sound. Es wäre natürlich vermessen zu behaupten, dass wir genauso klingen wie die original ABBA Band. Alleine in der Ton-Technik hat sich in den letzten 20 Jahren so viel getan, selbst ABBA würden heute anders klingen als damals. Aber der ganz eigene ABBA-Groove ist da!

Vielen Dank für das Gespräch.

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