Kiss me, Kate

Fred Graham – Regisseur, Schauspieler und Leiter einer finanziell angeschlagenen Theatertruppe – will es nochmal wissen. Mit einer musikalischen Version von Shakespeares Komödie Der Widerspenstigen Zähmung versucht er sein klammes Ensemble vor dem Ruin zu retten. Die Titelrolle der widerspenstigen Kate hat er mit seiner Ex-Frau Lilli Vanessi besetzt, er selbst gibt den Frauenzähmer Petrucchio und seine derzeitige Flamme Lois Lane Katharinas brave Schwester Bianca. Es knistert heftig auf der Bühne…

Spritzige Texte, virtuose Tanznummern, eine freche Geschichte und eine quirlig-komische Bühnenhandlung – eines der erfolgreichsten Broadway Musicals war 2016 zum ersten Mal auf Deutschlands größter Freilichtbühne! Die Inszenierung lag in den Händen von Stefan Haufe, der zuletzt auch mit der Operette Schwarzwaldmädel (2013) und Josef Saiers Passion (2015) das Ötigheimer Publikum begeisterte.

Rollenbesetzung

Inszenierung Stefan Haufe
Musikalische Leitung Ulrich Wagner
Korrepetition Markus Herzer
Kostüme Peter Sommerer
Choreografie Stefan Haufe, Julia Krug
Bühne Bettina Scholzen
Spielleitung Rudi Wild, Sabine Speck
Regieassistenz Carolin Wegner
Soufflage Sabine Speck

PERSONEN

Fred Graham (Petrucchio) Reinhard Danner
Harry Trevor (Baptista) Paul Maier, Gerold Baumstark
Lois Lane (Bianca) Marysol Ximénez-Carrillo
Rita, Inspizientin Anna Hug
Lilli Vanessi (Katharina) Viola Zimmermann
Hattie, Garderobiere Saskia Stößer
Paul, Garderobier Maximilian Tüg, Julian Baumstark
Bill Calhoun (Lucentio) Alexander Soehnle
Erster Ganove Roman Gallion
Zweiter Ganove Johannes Tüg, Christoph Dettling
Bühnenportier Rudi Wild
Harrison Howell (General) Kurt Tüg
Gremio (1. Freier) Felix Behringer
Hortensio (2. Freier) Tobias Kleinhans
Diener und Boten Pascal Wagner, Chase Tolbert, Jan Thilenius, Stefan Pikora, Johannes Kühn, Jannik Friedrich, Sven Engel
Putzmacherin Judith Herz

Erweitertes Orchester der Volksschauspiele Ötigheim · Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim · Junger Chor der Volksschauspiele Ötigheim · Frauen, Männer und Kinder der Spielergemeinschaft der Volksschauspiele Ötigheim

Pressestimmen

Badisches Tagblatt, 8. August 2016
SHAKESPEARE IST AUCH IN ÖTIGHEIM DER CLOU

Was für eine Furie! Petrucchio hat wirklich Mumm in den Knochen, dass er mit dieser widerborstigen Schönen den Bund der Ehe eingehen will. Aber schließlich ist er ja auch im echten Leben als Chef einer Theatertruppe den Umgang mit kapriziösen bis bösartigen Damen gewohnt. Ex-Gattin Lilli Vanessi steht der Männerfeindin Katharina aus Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung auch privat in nichts nach. Auch sein aktueller Flirt Lois Lane hat es viel faustdicker hinter den hübschen Öhrchen, als es ihre Rolle der braveren Schwester Bianca vermuten lässt. Um die Truppe vor der Pleite zu retten, muss eine fulminante Inszenierung des Shakespeare-Klassikers her – und die gelingt Stefan Haufe bei den Volksschauspielen Ötigheim ausgezeichnet. Er orientiert sich an der Musicalversion der Broadway-Legende Cole Porter und verwendet die unschlagbar pfiffigen Texte des Kabarettisten Günter Neumann.
Cole Porters Broadway-Klassiker entfaltet auch unter freiem Himmel seinen unwiderstehlichen Zauber und lässt so manches Musicalspektakel jüngerer Bauart blass aussehen. Die Empfehlung der beiden unwiderstehlichen Ganoven Schlag nach bei Shakespeare erweist sich als stimmiges Erfolgsrezept: Shakespeare ist der Clou! – auch in Ötigheim, und das Premierenpublikum wollte das Duo Roman Gallion und Johannes Tüg gar nicht von der Bühne lassen.
Spontanen Szenenapplaus gab es immer wieder, wenn die Fetzen einer alten Liebe zwischen Produzent und Star, beziehungsweise Petrucchio und Katharina, flogen: Die international erfolgreiche Mezzosopranistin Viola Zimmermann schleudert ihre Bosheiten stimmlich ebenso treffsicher wie ihre Wurfgeschosse und schwelgt in der ganzen Bandbreite vom schrillen Kreischen bis zum lyrischen Liebesgeständnis.
Reinhard Danner lässt sich von seinem Star aber keineswegs einschüchtern – er bleibt der Herr der Szene und glänzt vor allem bei seiner melancholischen Reminiszenz an vergangene liebestolle Zeiten mit häufig wechselnden Partnerinnen. Die letzte Dame in dieser bunten Reihe, die Nachtclub-Sängerin Lois Lane, hofft auf ihren Durchbruch am Broadway – Marysol Ximénez-Carillo hätte da keine Probleme, denn sie bringt alles mit, was ein Musicalstar braucht. Es ist nur die Frage, ob sie noch besser singt als tanzt oder spielt. Ihre Steppnummer mit Alexander Söhnle als nichtsnutzigem Sonnyboy Bill Calhoun, beziehungsweise Biancas Freier Lucentio, ist einfach große Klasse, ihr Sexbömbchen Lois Lane ebenso verschmitzt wie die ehewütige Bianca.
Was wäre eine Musicalproduktion – vor allem in Ötigheim – ohne schwungvolle Tanznummern? Stefan Haufe und Julia Krug haben die Tanzgruppen mit witzigen Choreographien versehen, die sie nicht überfordern und flott über die Bühne (Bettina Scholzen) gehen. Ebenso witzig sind die von Peter Sommerer gestalteten Kostüme zwischen Renaissancepracht und peppigem 50er-Jahre-Show-Chic.
Ulrich Wagner führt Orchester und Chöre souverän durch die Evergreens des großen Cole Porters, und das Publikum jubelt nach dem nicht ganz überraschenden Happy End mit den Darstellern den Broadway-Ohrwurm Wunderbar.
Eingefleischte Ötigheim-Besucher dürften allerdings ein ganz klein wenig enttäuscht worden sein: Statt spektakulärer Reiternummern, die irgendwie in jede Inszenierung eingepasst werden, tritt nur ein Esel auf, der nicht ganz freiwillig Petrucchio als Reittier, beziehungsweise als Lasttier für seine ebenso störrische Braut , dient. (Irene Schröder)

Badische Neueste Nachrichten, 8. August 2016
BLICK AUFS LEBEN HINTER DER BÜHNE

Kiss me, Kate, ruft Petrucchio verzweifelt. Doch die Schöne mit dem feurigen Temperament hört nicht auf sein Flehen, sondern faucht zurück, schlägt ihm die Tür ins Gesicht und schiebt den Riegel vor. Hitzig geht es zu bei William Shakespeare und auch in der Realität fliegen hinter der Bühne, ungesehen vom Publikum, die Fetzen. Die beiden Hauptdarsteller des Stücks, die gemeinsam Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung auf die Bühne bringen sollen, sind sich spinnefeind oder glimmt da doch noch ein Fünkchen Liebe zwischen dem geschiedenen Paar?
Es ist Premiere auf der Freilichtbühne Ötigheim und 3 200 Zuschauer sind gekommen, um sich über drei Stunden lang von Schauspiel, Gesang und Tanz unterhalten zu lassen. Das Wetter spielt mit und die erfahrenen Freilichtbühnenbesucher sind eingedeckt mit warmen Jacken, Decken und Kissen.
Und schon geht es los, das Musical Kiss me, Kate, eine musikalische Komödie von Samuel und Bella Spewack und der Musik von Cole Porter, ein Stück um Liebe und Betrug, um Spielsucht und verletzte Eitelkeiten, um Ehrgeiz und Erfolg, zieht in seinen Bann, denn auf der weitläufigen Bühne ist einiges geboten. Vor den Augen der Zuschauer entsteht ein Theater und gibt dem Betrachter einen Einblick auf das Leben und Geschehen hinter der Bühne, das sonst im Verborgenen bleibt. Gezeigt werden Szenen in der Garderobe, beim Kaffeeautomaten, Bühneneingang, Orchester und auf der Hauptbühne. Munter ist das Treiben und alle sind schon mächtig nervös, denn die Show in der Show geht bald los. Wunderschön sind die einzelnen Szenen für das Auge. Sie sind voller Leben und die verschiedenen Bühnen und Bereiche der Freilichtbühne werden vom Ensemble aufs Beste ausgenützt.
Ständig ist irgendetwas in Bewegung, sind verschiedene Schauspieler in der Szene, die alle am Gesamtbild beteiligt sind. Die bunten Kostüme, modern oder historisch, tragen zum stimmigen Gesamteindruck bei. Lustig ist die Inszenierung, frech und modern. Sogar das Mobiltelefon findet Einzug. Gelungen ist die Verbindung von moderner Theatertruppe, die aus den 1930er Jahren in die Moderne verpflanzt wurde und dem von ihr gespielten Shakespeare Stück Der Widerspenstigen Zähmung. Auch die Spezialeffekte in Form von klassischen Automobilen und einem Esel, der immer wieder Hauptdarsteller Reinhard Danner tragen darf, erfreuen das Publikum, das dem Treiben auf der Bühne begeistert folgt. Bewegung bringen auch die flotten Tanzszenen, die die Handlung begleiten und oft neue Entwicklungen einleiten. Live-Musik ist auch bei der Premiere selbstverständlich und das Orchester erntet gebührenden Applaus, bevor es im Orchestergraben verschwindet.
Hervorragend sind die beiden Widersacher: Leidenschaftlich zeigt sich Reinhard Danner, während Viola Zimmermann mit ihrem Gesang besticht und mit ihren genialen Fratzen als Kathrina viele Lacher auf ihrer Seite hat. Marysol Ximénez-Carrillo ist eine süße Nebenbuhlerin. Zu den heimlichen Stars werden im Laufe des Stücks die beiden Ganoven Roman Gallion und Christoph Dettling, die urkomisch als Gauner mit klassischer Bildung und als Rauscheengelchen sind. Insgesamt ist es eine mitreißende Inszenierung von Stefan Haufe (musikalische Leitung hat Ulrich Wagner), die von den vielen Mitwirkenden lebt, die das Ganze aufregend und stimmig machen. Das Premierenpublikum bedankte sich mit nicht enden wollendem Applaus. (Beatrix Ottmüller)

Badische Neueste Nachrichten, 8. August 2016
VOLLER LIEBES-ZÜNDSTOFF

Von Venedig nach Verona, dann nach Cremona, Parma, Mantua und Padua. Und anschließend das Ganze von vorn. Die gesamte oberitalienische Landkarte wandert Fred Grahams Theatergruppe während ihrer Aufführung der „Widerspenstigen Zähmung“ ab. Die Volksschauspiele Ötigheim verfügen für ihren Beitrag zum Shakespeare-Jahr zwischen Bergkapelle, Münster und historischen Häusern über das ideale Breitwandpanorama, wie sie keine Broadway-Bühne aufbieten könnte. Braucht es eigentlich gar nicht, denn die Shakespeare-Aufführung bildet nur die Bühne auf der Bühne-Situation, welche die von Eifersucht und verletzter Liebe angekränkelte Beziehung des exzentrischen, sich letztlich in allen Höhen und Tiefen des Schauspielerberufs zugetanen Paars Fred Graham und Lilli Vanessi spiegelt. Am ersten Jahrestag ihrer Scheidung begegnen sie sich bei den Vorbereitungen der Komödie, in der sie als Petruchio und Katharina auftreten werden. Als Katharinas jüngere Schwester Bianca hat Fred, der mit dieser Aufführung auf seinen künstlerischen und finanziellen Durchbruch hofft, seine derzeitige Flamme Lois Lane engagiert, was den privaten Eifersüchteleien zusätzlichen Zündstoff für das Bühnengeschehen verleiht.
Bühnen-Romantik und Backstage-Intrigen gehören zu den beliebtesten Motiven vieler Musicals, doch kaum eines ist dramaturgisch so dicht geflochten, verschmilzt Bühne und Hinterbühne, Text und Musik, Witz und Ironie so geistreich wie Kiss me Kate, mit dem der bereits abgeschriebene Cole Porter an seinen 1930er Jahre Erfolg Anything Goes anknüpfen und zudem die Überlebenskraft des Genres nach dem Zweiten Weltkrieg bezeugen konnte.
Als eines der ersten Musical-Exporte gelangte das 1948 uraufgeführte Stück nach Deutschland, wo Günter Neumanns auch in Ötigheim benutzte Übersetzung fast sprichwörtlich wurde. Die breite Naturbühne, die für die vornehmlich in den Künstlergarderoben, der gedrängten Backstage und auf einer Bühne spielenden Szenen von Nachteil sein könnte, nutzt Stefan Haufe sehr geschickt, indem er Freds und Lillis Garderoben direkt vor die Zuschauer rückt und die Sequenzen der Bühnenaufführung von der Widerspenstigen als historisches Spektakel im Cinemascope-Format vor das Kirchenportal platziert und den Raum für Taxi, Sanitätsauto, Gangsterkarosse und Petruchios Ritt auf dem Esel nutzt.
Haufe ist ein Spezialist des musikalischen Unterhaltungstheaters, der gekonnt Massen bewegt und Szenen verdichtet und die Tanzgruppen, den Jungen Chor und die Frauen, Männer und Kinder der Spielegemeinschaften neben den Profis gut aussehen lässt. Als Regisseur und Choreograf in Personalunion sorgt Haufe dafür, dass sich selbst einige der für die Chorus Line wenig prädestinierten Damen als Tanz-Elfen fühlen können und mischt bei Es ist zu heiß das Ensemble geschickt vor die steppenden Lois und Bill.
Marysol Ximenéz-Carillo und Alexander Soehnle sind Musical erprobte Alleskönner, die die richtige Sing- und Spielmagie für Porters Musik mitbringen, vor allem Ximenéz-Carillo steigert Lois’ glänzend umgesetztes Aber treu bin ich nur dir auf meine Weise zu einem Höhepunkt des Abends. Reinhard Danner gibt den Fred Graham mit der offensiven Eitelkeit des selbstverliebten Schauspielers, der an Zickigkeit der Diva in nichts nachsteht, dazu schlagfertig und mit der nötigen Portion an Selbstironie; mit seinem tragfähigen Sprechtenor zeigte sich Danner auch den vokalen Herausforderungen, vor allem im melancholischen „Wo ist die liebestolle Zeit“, gewachsen. Ein wenig fehl im Ensemble ist die opernhaft voluminöse Stimme von Viola Zimmermann, die mit ihrem dunklen Spielalt in den deftigen Szenen des malträtierten Käthchens und ihrem Kampf dem Mann gewinnt. Sensibel wacht Ulrich Wagner über dem Geschehen, erzeugt mit dem Orchester der Volksschauspiele einen geschmeidigen, nostalgisch romantischen Porter-Sound und trägt die Solisten über alle Klippen, darunter die beiden zeitweise auch im pinkfarbenen Rüschenkleid als Engel in Menschengestalt auftauchenden Ganoven Roman Gallion und Christoph Dettling mit ihrem unverwüstlichen Schlag nach bei Shakespeare, aber auch Felix Behringer und Tobias Kleinhans als Gremio und Hortensio und Saskia Stößer, die als Garderobiere Hattie gleich zu Beginn mit Premierenfieber die Gefühle dieses Sommerabends zusammenfasst. (Nikolaus Schmidt)

Pforzheimer Zeitung, 8. Augst 2016
PREMIERE DER ÖTIGEIMER VOLKSSCHAUSPIELE

Bürgermeister Frank Kiefer wischt sich ein Tränchen der Rührung aus dem Augenwinkel. So begeistert ist er über die Leistungen seiner Dorfbewohner bei den Ötigheimer Volksschauspielen. Und mit dieser Begeisterung ist er nicht allein: Rund 3200 Besucher feiern die Premiere des Musicals Kiss me Kate mit stehenden OvationenDenn die über hundert Beteiligten wachsen in dieser Produktion – fast wie immer – über sich hinaus: Da wird getanzt, gesungen, geschauspielert auf meist sehr professionellem Niveau. Und das Bühnenbild, die Kostüme, die Requisiten sind eh ein Kapitel für sich. Denn die größte Freiluftbühne Deutschlands spart auch bei dieser Produktion nicht mit Aha-Effekten: Da rollt ein alter VW-Bulli ins gigantische Bühnenbild, ein Eselchen darf trottend die widerspenstige Kate davonschleppen, und als Taxi fugiert ein echter Oldtimer-Mercedes.
Doch vor allem die vielen jungen Mitwirkenden sind es, die diesem doch in die Jahre gekommenen Musical von Cole Porter Frische einhauchen. Geschickt durch Kostüme (Peter Sommerer) und Bühnenbild (Bettina Scholzen) zwischen Renaissance und den 1950ern angesiedelt, entfaltet dieses Stück im Stück ein quirliges Leben. Das liegt vor allem an einem Paar, das sich genauso vehement streitet, wie letztlich innig liebt: Regisseur Fred Graham muss, um seinen drängenden Geldnöten zu entfliehen, Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung auf die Bühne bringen: er in der Rolle des Petrucchio, Ex-Gattin Lilli Vanessi als Katharina. Doch das ehemalige Eheweib spielt nicht mit – schon gar nicht angesichts des Techtelmechtels von Fred und Nachtclub-Sängerin Lois. Keifen, schreien, treten, spucken – Viola Zimmermann hat das ganze Kätchen-Repertoire bestens drauf und singt dazu noch in höchsten Tönen. Doch so sehr sie auch in Rage gerät, an der Souveränität von Reinhard Danner als Fred kann sie nicht kratzen. Und Marysol Ximénz-Carrillo tanzt, singt, spielt sich als sexy Lois Lane ebenso in die Herzen wie als nicht ganz so tugendhafte Bianca.
Stefan Haufe, der schon Schwarzwaldmädel und Die Passion in Ötigheim inszeniert hat, setzt in seiner Regie auf ein spannendes Wechselspiel intimer Szenen in der Schauspielergarderobe und großen, gemeinsam mit Julia Krug choreografierten Szenen, die die ganze große Naturbühne einbeziehen. Und Haufe hat ein Händchen für Komik, ein Gespür für den immensen Witz der deutschen Übersetzung von Günter Neumann. So sind die beiden Ganoven, die von Fred einen Schuldschein eintreiben wollen, absolute Paraderollen für Roman Gallion und Johannes Tüg, die vom Publikum frenetisch belacht und für ihren Hit Schlag’ nach bei Shakespeare lautstark gefeiert werden. Ob Viel zu heiß, Aber treu bin ich nur dir Schatz oder der Evergreen-Walzer Wunderbar: Ulrich Wagner und das erweiterte Orchester der Volksschauspiele sorgen für Ohrwürmer, die nicht nur Bürgermeister Kiefer noch lange in die Nacht begleiten. (Sandra Pfäfflin)

Galerie Ortenau, 9. August 2016
VERZWICKTE LIEBESGESCHICHTE AUF FREILICHTBÜHNE

Ein erwartungsvolles Premierenpublikum, ein schöner Sommerabend, sowie ein großes Ensemble aus Schauspielern, Sängern, Tänzern und einem erweiterten Orchester boten die Voraussetzungen für eine großartige Premiere von Kiss me Kate, diesem großen Musical des bekannten Cole Porter.  Und die 4000 Zuschauer auf der ausverkauften Freilichtbühne in Ötigheim sollten nicht enttäuscht werden. Im Gegenteil sie waren restlos begeistert von dieser Premiere.
Das im Jahre 1948 erstmals am Broadway aufgeführte Musical, welches in seinem ersten Jahr über 1000 Vorstellungen hatte, und mit 5 Tony Adwards ( dem Musical-Oscar)  ausgezeichnet wurde überzeugt, überrascht und brilliert durch die Vielfältigkeit und die Verwicklungsgeschichte in mehreren Erzählebenen. Die Mischung aus musikalischer Umsetzung des Shakespeare Stückes Der widerspenstigen Zähmung, mit der komplizierten Liebesgeschichte der Hauptakteure und den flotten Tanzelementen wurde unter der Regie von Stefan Haufe, der schon zum widerholten Male eine Inszenierung auf der Freilichtbühne brachte, glänzend umgesetzt.
Die Geschichte dieser Theater-im-Theater-Geschichte in der Kurzfassung lässt erahnen wie turbulent und ereignisreich, aber auch wie witzig und erfrischend in den Dialogen der geniale Cole Porter dieses Musical schuf: Der unter Geld- und Erfolgsdruck leidende Theaterchef Fred Graham, gespielt von Reinhard Danner, hat für die Umsetzung seines Stückes die von ihm getrennt lebende Ehefrau Lilli Vanessi, hier prächtig dargestellt von Viola Zimmermann,  engagiert. Obwohl beide durchaus noch Gefühle füreinander hegen haben sie inzwischen andere Partner. Dadurch entwickeln sich Eifersuchtsszenen und Verwechslungen. Aus einer dieser Verwechselungen; ein eigentlich für die neue Flamme besorgter Blumenstrauß mit Liebesbrief wurde irrtümlich an Lilli geliefert; kommt es auch dazu, dass sich die Streitereien und Auseinandersetzungen, sowohl hinter der Bühne als auch bei dem eigentlichen Theaterstück, der Zähmung der widerspenstigen Katharina, fortsetzen. Nach der erfolgreichen Zusammenführung auf der Bühne, indem sich aus dem Zwang der Heirat eine Lösung dahingehend ergab, dass der Wunsch von Kate sich selbstbestimmend in den Hafen der Ehe zu gehen erfüllt, wird dieses Happy End auch im wahren Leben umgesetzt. Nicht unerheblich in dieser Geschichte auch das Szenarium einer Erpressung auf Grund eines falsch unterschriebenen Schuldscheins mit mehr oder weniger gefährlichen, aber durch ihr Spiel begeisternden Mafia Ganoven. Soviel zu der Geschichte.
Umgesetzt wurde diese einfach nur prächtig durch das gesamte Ensemble. Da war reine Spielfreude bei den Darstellern. Da war jeder Charakter original gespielt, haben sich die Darsteller; überwiegend Künstler der Volksschauspiele; ihre Rolle blendend einverleibt. Der junge Chor überzeugt durch stimmgewaltige Interpretation der bekannten und eingängigen Musikstücke. Das Ensemble der Tanzgruppen aus Ötigheim tanzte die Choreografien von Stefan Haufe und Julia Krug spritzig und mit viel Elan. Und das erweiterte Orchester der Bühne unter der Leitung von Ulrich Wagner legte eine Spielfreude erster Güte ans Werk.
Die Hauptrollen glänzten alle miteinander. Sei es die Verstärkungen von außerhalb wie Marysol Ximenez-Carillo als Lois Lane, und auch Alexander Soehnle in seiner Rolle als der Hallodri Bill Cahoun. Sowohl in ihrer Spielfreude, als auch in ihren gesanglichen und tänzerischen Parts, unter anderem einem Steptanz Duo, konnten sie überzeugen. Absolute Publikumslieblinge waren die beiden Gangsterdarsteller Roman Gallion und Christoph Dettling. Ihr komödiantisches Talent und ihre Darstellungskunst und Verkleidung riß das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Bei ihrem Abgang aus dem Stück mit dem Titel Schlag nach bei Shakespeare mussten sie Zugabe geben.
Die Stars allerdings waren Reinhard Danner als Fred Graham beziehungsweise Petruccio, und die Sängerin und Schauspielerin Viola Zimmermann als Lilli Vanessi und Katharina. Ein Team, das die Charaktere nicht hätte besser darstellen können. Reinhard Danner verkörperte seine Rollen mit souveräner Ausstrahlung, großer Präsenz und klarer und fester Stimme sowohl bei seinen Sprach- als auch Gesangsnummern. Die Topbesetzung der weiblichen Rolle hätte auch nicht besser besetzt werden können. Viola Zimmermann stellte ihr schauspielerisches Talent in unnachahmlicher Klasse und Leistung zur Schau. Ihre schauspielerische Leistung war überragend und brachte das Publikum zum schmunzeln und lachen. Bei ihren gesanglichen Einlagen merkte man ihre professionelle Ausbildung, und auch ihre Engagements an großen Opernhäusern wie der Oper in Köln und am Staatstheater in Braunschweig zeugen von ihrer Klasse.
So waren dann die Standing Ovations am Ende der Vorstellung für alle Aktiven der verdiente Lohn einer grandiosen Premiere des insgesamt, mit Musikern, über 80 köpfigen Ensembles der Freilichtbühne Ötigheim . Mehrere Vorhänge und nicht endend wollener Applaus belohnte dieses gelungene Stück, welches wieder einmal die besondere Klasse und die Güte der Bühne unter Beweis stellte.
Insgesamt sieben Vorstellungen bis zum 28. August dieses Jahres werden noch angeboten. Wer sich für eine gelungene Musicalaufführung interessiert sollte sich dies Stück zu Gemüte führen. (Michael Barbian)

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