Die kleine Hexe

Die kleine Hexe hat einen großen Traum: Ein Mal mit den anderen Hexen in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg tanzen. Doch die großen Hexen nehmen sie gar nicht ernst, ist die kleine Hexe doch erst 127 Jahre alt, und das ist für eine Hexe ja noch gar kein Alter. Erst, wenn sie beweisen kann, dass sie trotz ihrer Jugend eine gute Hexe ist, darf sie in Zukunft am großen Hexentanz teilnehmen. Aber was ist schon eine gute Hexe?

Eine spannende Geschichte von Otfried Preußler über Freundschaft, Jugend und viele gute Taten, die 2015 erstmals auf Deutschlands größter Freilichtbühne zu erleben war, rund 13.500 Besucher (Auslastung: 95%) nach Ötigheim lockte und für leuchtende Augen bei den großen und kleinen Besuchern sorgte.

Rollenbesetzung

Regie Matthias Götz
Regieassistenz und Soufflage Patrick Speck
Bühnenbild Bettina Scholzen
Kostümbild Ulrike Weßbecher
Choreografie Andrei Golescu, Julia Krug
Musikalische Leitung Kinderchor Maria Bagger

PERSONEN

Die kleine Hexe Isabel Beckert
Rabe Abraxas Tobias Kleinhans

Balduin Pfefferkorn Stefan Brkic
Revierförster Felix Behringer
Holzweiber Lissi Hatz, Tina Kalkbrenner, Pia Keller, Beate Behringer
Billiger Jakob Sven Engel
Blumenmädchen Eva Beckert
Maronimann Roman Gallion
Kinder in der Maronimann-Geschichte Norena Thom, Yannick Enderle
Schneemann Felix Behringer
Kinder in der Schneemann-Geschichte Leo Schmitt, Luca Benedikt Enderle, Ruffina Beckert, Hannah Zoé Lerner, Jan Thilenius, Anna Bagger, Mara Patzelt, Miriam Spence
Bürgermeister Michael Enderle
Schützenhauptmann Winnie Engber
Fähnrich Stefan Brkic
Thomas Tobias Klinger/Florian Woll
Vroni Mafalda Kühn/Emily Monschau
Frauen und Männer aus dem Volk Felicitas Becker, Natalie Horlt, Sonja Waldner, Julian Baumstark, Nico Behringer

Die Oberhexe
Petra von Rotberg
Muhme Rumpumpel (Oberste Wetterhexe) Ulrike Weßbecher
Oberste Sumpfhexe Tina Kalkbrenner
Sumpfhexen Felicitas Becker, Jennifer Hoffmann
Oberste Feldhexe Sabine Speck
Feldhexen Natalie Horlt, Pia Keller
Oberste Kräuterhexe Lissi Hatz
Kräuterhexen Anna Beckert, Judith Herz
Oberste Rollatorhexe Beate Behringer
Rollatorhexen Sven Engel, Eva Kraft
Oberste Waldhexe Julian Baumstark
Waldhexen Nico Behringer, Katarina Nagel
Wetterhexen Roman Gallion, Leonora Mihajlov, Sonja Waldner

Jagdhund Lucy
Kalb Erna

Männer, Frauen und Kinder der Spielergemeinschaft der Volksschauspiele Ötigheim
Kindertanzgruppe der Volksschauspiele Ötigheim
Kinderchor der Volksschauspiele Ötigheim

Pressestimmen

Badisches Tagblatt, 13. Juli 2015
Gute Hexen zaubern mit Gefühl

Nur eine schlechte Hexe ist eine gute Hexe…? Das soll einer verstehen, und weder die Kinder im weiten Rund der Ötigheimer Freilichtbühne noch die Kleine Hexe im Theaterstück stimmt mit der Meinung des Hexenrats überein. Matthias Götz hat das gleichnamige Kinderbuch von Otfried Preußler mit viel Liebe zum Detail inszeniert und darauf gesetzt, dass die bereits 1957 entstandene Geschichte mit ihrem zeitlosen Wahrheitsgehalt höchstens ein wenig Up-to-Date-Make-up benötigt. Auch Ulrike Weßbecher (Kostüme) und Bettina Scholzen, die für die Ausstattung verantwortlich ist, schlossen sich dem Regisseur an, und so mutet die ganze Szenerie auf der multifunktionalen Freilichtbühne an, als blättere man in einem klingenden und singenden Wimmelbuch.
Gar nicht satt sehen kann man sich an dem vielgestaltigen Bühnenbild, das in eine Zeit zurückversetzt, in der Hans Thoma, der Künstler aus dem Schwarzwald, die ländliche Bevölkerung in liebevollen Genrebildern verewigte. Kinder tanzen Reigen, der Chor singt mit prächtigem Wohlklang bekannte Volkslieder. Die Leute kleiden sich festlich, und Bürgermeister und andere Amtspersonen sind noch echte Autoritäten. Jagdhund Lucy lässt sich zwar nur mit Leckerlis zum Bleiben verlocken, aber Kalb Erna ist sich seiner tragenden Rolle bewusst. Es heißt, dass von den 4500 Einwohnern der Gemeinde rund tausend vor oder hinter den Kulissen der Ötigheimer Volksschauspiele aktiv sind; und diese Begeisterung springt auf das Publikum über.
Was es nun aber mit guter Hexe – schlechter Hexe auf sich hat, das haben sogar die Erwachsenen unter den Tausenden von Zuschauern gewusst, denn kaum einer ging durch seine Kindheit ohne die Lektüre von der kleinen Hexe. Um vor bösartigen Klischees zu warnen, macht Preußler diejenigen zu Helden seiner Geschichten, denen ein unheimlicher oder sogar gefährlicher Ruf voraus eilt, wie etwa dem Räuber Hotzenplotz, einem kleinen Wassermann und dem kleinen Gespenst – und eben auch den Hexen.
Diese hier ist erst 127 Jahre alt und somit im Kreise der alten Kräuter-, Wald-, Wetter- und Sumpfhexen unter der Kuratel der grimmigen Oberhexe noch ein Küken. Aber Isabel Beckert spielt keck und treuherzig ein ehrgeiziges Hexlein, das sich eifrig ins Studium seines Zauberbuchs vertieft, um die Prüfung zu bestehen und am Walpurgis-Tanz auf dem Blocksberg teilnehmen zu dürfen.
Vielleicht wäre sie im Alter so ein giftiges Luder geworden wie die Muhme Rumpumpel, die Oberste Wetterhexe (Ulrike Weßbecher), die sie mit ihrem Zauber-Smartphone ausspioniert. Doch der weise Rabe Abraxas, dem Tobias Kleinhans trotz sengender Hitze auf seinem schwarzen Federkleid die entsprechende Würde und Güte verleiht, lenkt die Erziehung der kleinen Hexe zum Positiven. Beim lauten Gekrächze des schwarzen Federviehs zeigt sich, dass man keine zu kleinen oder zartbesaiteten Kinder solchen Aufführungen aussetzen sollte. Sie verstehen nicht die etwas dialoglastige Handlung, und auch die Länge des Stücks kann ein zu kleiner Zuschauer kaum durchhalten.
Das Publikum insgesamt ist aber begeistert mitgegangen, freut sich an misslungenen, aber auch geglückten Zauberkunststücken, die zwar auch mal Klopapier und Wäscheklammern vom Himmel regnen lassen, aber auch zum wohl vieler Menschen funktionieren, und am Schluss zum Happy-End verhelfen. Denn das ist die Antwort auf die Eingangsfrage: Eine gute Hexe, vielleicht auch ein guter Mensch ist, wer sein Mitgefühl und seine Fähigkeiten einsetzt, um anderen zu helfen. Wer seine Macht missbraucht, andere ängstigt und ihnen schadet, na, dem muss man doch einfach Besen und Hexenbuch wegzaubern und ins Feuer werfen! (Gisela Brüning)

Badische Neuste Nachrichten, 13. Juli 2015
Farbenfrohes Kinderstück

Eine gelungene Premiere feierte auf der Freilichtbühne in Ötigheim das Familienstück „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler in einer quirligen und farbenfrohen Inszenierung von Matthias Götz. Rund 3 500 kleine und große Besucher ließen sich verzaubern von der spannenden Geschichte über Freundschaft, Jugend und viele gute Taten. In der Titelrolle begeisterte Isabell Beckert als mutige und schlaue kleine Hexe, die gut sein will und darum Gutes tut. Eine überzeugende Leistung lieferte Tobias Kleinhans in der Rolle ihres besten Freundes, des vorlauten Raben Abraxas, ab. Er war mit schwarzem Federkleid und Schnabel vorm Gesicht bei 34 Grad nicht zu beneiden.
Dass die kleine Hexe gute Taten vollbringt, behagte weder der resoluten Oberhexe (Petra von Rotberg) mit Gefolge noch der hinterhältigen Obersten Wetterhexe Rumpumpel (Ulrike Weßbecher) – schließlich sollen ihrer Ansicht nach Hexen böse sein.
Eine tolle Kulisse, originelle Bezüge zur Gegenwart, technische Überraschungen und fantastische Kostüme sorgten – gepaart mit der Spielfreude des rund 100-köpfigen Ensembles, dem auch Kinderballet, Kinderchor, Jagdhund Lucy und Kalb Erna angehören – für zweieinhalb Stunden vergnügliches und kurzweiliges Kopfkino mit Hexenbesen. (Ralf-Joachim Kraft)

Badische Neueste Nachrichten, 13. Juli 2015
Muhme Rumpumpel mit der NSA im Bunde

Da tanzten und sangen in der Walpurgisnacht die Sumpf- und Waldhexen mit den Feld- und Kräuterhexen um die Wette. Da wurde der Tellplatz zum Blocksberg und das Publikum ganz verzaubert: Ein Jahr lang versucht die kleine Hexe eine gute Hexe zu werden und vollbringt dafür viele gute Taten. Sie hilft Holzsammlerinnen, einem Maronimann oder rettet ein Kalb vor dem Grill. Und das alles, um schließlich verpetzt zu werden und zu erfahren: Eine gute Hexe ist nur, wer allzeit Böses hext. Doch wann ist man wirklich gut. Über diese Fragen lässt sich trefflich streiten. Erst recht in dem reizenden Familienstück Die kleine Hexe von Otfried Preußler, das am Samstag auf der Ötigheimer Freilichtbühne eine rundum gelungene Premiere feierte.
Unter der Regie von Matthias Götz, der das Stück bereits 2000 auf die Bretter der „Kleinen Bühne“ gezaubert hatte, entstand eine vergnügliche, quirlige und bunte Inszenierung für Jung und Alt, die die Fantasie beflügelte und das Kopfkino in Gang setzte. Das rund 100-köpfige Ensemble, dem neben den Rollenträgern und Statisten, dem Kinderballett unter Leitung von Julia Krug und Andrei Golescu und dem von Maria Bagger geleiteten Kinderchor auch der stets zum Bellen aufgelegte Jagdhund Lucy und das Kalb Erna angehören, legte sich bei hochsommerlichen 34 Grad für die rund 3.500 Premierengäste mächtig ins Zeug.
Zweieinhalb Stunden lang wirbelten die Akteure über die von Bettina Scholzen eingerichtete Naturbühne. Ein Hexenhäuschen links, ein Krämerladen ganz oben auf der Freitreppe und einige rasch aufs Gelände geschobene Marktbuden und Leiterwagen im Bereich unten rechts. Mehr brauchte es nicht. Blickfang waren neben den farbenfrohen Kostümen vor allem die fantasievoll gestalteten Hexenhüte (Kostümbild: Ulrike Weßbecher). Mit viel Spielfreude erweckten die Darsteller Preußlers Figuren zum Leben. Weit davon entfernt, das Stück unnötig zu modernisieren, stellte die Inszenierung mit einem Augenzwinkern originelle Bezüge zur Gegenwart her. Sei es durch die Hexen mit Rollator oder die offenbar bei der NSA geschulte Muhme Rumpumpel, die mit dem Hexen-Smartphone die kleine Hexe ein Jahr lang ausspioniert und vor dem Hexenrat die bei der Observierung geschossenen Fotos per Laptop präsentiert. Auch Helene Fischers Atemlos durch die Nacht in der Rabe-Abraxas-Version oder der Hinweis, dass die Schützen mit Gewehren schießen, die nicht von der Bundeswehr sind, verfehlten ihre Wirkung nicht.
Die Hauptrolle der mutigen und bauernschlauen kleinen Hexe schien Isabell Beckert auf den Leib gehext. So innig spielte sie die erst 127 Jahre junge Hexe, die so gerne mit den anderen Hexen auf dem Blocksberg tanzen möchte. Von Spionin Rumpumpel gelinkt, nimmt sie Rache, verbrennt am Ende alle Hexenbesen und -bücher, beraubt die anderen Hexen somit ihrer Macht und erfüllt sich mit dem vorlauten Raben Abraxas doch noch ihren größten Wunsch.
Tobias Kleinhans, im schwarzen Federkleid und mit großem Schnabel vor dem Gesicht, war bei der Hitze nicht zu beneiden, aber eine Wucht. Seinen nicht einfachen Part meisterte das Nachwuchstalent mit Bravour und lautem Krah-Krah im steten Kontakt mit dem Publikum. In der Rolle der hinterlistigen Obersten Wetterhexe Rumpumpel glänzte Ulrike Weßbecher. Respekt flößte mit sonorem Organ und dramatischen Gesten die Oberhexe alias Petra von Rotberg ein.
Auch die vielen anderen Akteure machten ihre Sache toll. Überraschende Spezialeffekte bereiteten nicht nur den kleinen Besuchern einen Heidenspaß. Für vom Himmel fallende Klopapierrollen, Tannenzapfen, Äste, Besen, Bücher und eine am Seil fliegende Hexe, plötzlich erblühende Papierblumen, sprudelnde und sprühende Wasser- oder Feuerfontänen und Schnee mitten im Sommer sorgte das Technikteam von Michael Lerner. (Ralf Joachim Kraft)

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