Das Welttheater

Der Wiederaufbau nach dem Kriege wird in Angriff genommen. Dank des Entgegenkommens der französischen Militärregierung und der Organisation entsprechenden Baumaterials erfolgt die Wiederherstellung der Bühnenanlage. Am 6. April erteilt das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg dem von Saier selbst verfassten Stück Das Welttheater Imprimatur. In einer Maginalie fügt Erzbischof Gröber auf dieses Schreiben an: Ich gratuliere. Damit ist der kirchliche Einfluss unverkennbar, der in jenen Jahren nach dem Krieg zur Wiederaufnahme der Spiele unabdingbar war. Das Bühnenbild zum Welttheater entwirft Architekt Franz Matthäi, dem auch die Realisierung übertragen wird. Trotz ungeheurer Schwierigkeiten kann das notwendige Material beschafft werden. Ähnliche Probleme bereitet auch die Wiederherstellung der Spielergemeinschaft. Manch Ötigheimer Vorkriegsdarsteller ist gefallen oder befindet sich noch in Kriegsgefangenschaft. Und oftmals stehen Ernte- oder Feldarbeiten den Proben im Wege. Mehrfach wird die Premiere des Stückes verlegt.

Am 18. August 1946 erfolgt die Uraufführung des Mysterienspiels, dass in der Folge immer sonntags von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr, und auch im Folgejahr 1947 aufgeführt wird. Das Welttheater nimmt direkten Bezug auf die entbehrungsreichen Jahre Krieges und die damit verbundenen Ereignisse, die auch die Ötigheimer nicht verschont hatten. Saier stellt in dem Stück christlich-biblische Bezüge her. Für jeden Zuschauer ist aber klar erkennbar, das Saier die Jahre 1933 bis 1945 Revue passieren lässt. Wie gewohnt ist auch Das Welttheater musikalisch umrahmt (Leitung: Karls Schauber). Die Hauptrollen spielen Paul Becker (Stimme Gottes), Alfons Leitz (Luzifer) und Franz Kölmel (König). Die Spiellaune des gesamten Dorfes ist ungetrübt. 1947 erscheint das Stück erneut auf dem Spielplan und wird mit rund 300 Mitwirkenden von Juni bis September bei steigenden Besucherzahlen gezeigt.

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