Die beiden Tilly

Die Volksschauspiele werden durch Pfarrer Saier ins Leben gerufen. Am 30. September 1906 findet die erste Aufführung statt. Gezeigt wird das historische Drama Die beiden Tilly. Die Aufführungen geht im freien vor sich, 130 Personen wirken im Schauspiel mit. Sitzplätze sind für 1.500 Personen vorhanden. Die Aufführung gerät zur glanzvollen Geburtsstunde der Ötigheimer Volksschauspiele und wird ein voller Erfolg. Sämtliche Plätze sind belegt. Die erste Freilichtbühne bestnad aus Holz und Stoff. An dem Platz im Tiefgestade hatten sich Ötigheimer Bauner zuvor Sand und Kies für eigene Bauvorhaben geholt. So ergab sich eine wunderbare amphiteatrische Topographie, die sich als Theaterraum geradezu anbot. Am 7. Oktober wird das historische Stück, das fünf Stunden dauert, wiederholt. Auch dieses Mal spielt das Ötigheimer Ensemble vor ausverkauftem Haus. Wie eni zeitgenössischer Berichterstatter lobt: Alle taten ihr bestes, so dass jeder an dem großen Erfolg seinen Teil hatte. 1907 wird das Stück wiederaufgenommen und noch einige Male gespielt, bevor man das Vorhaben Freilichtbühne wegen Unrentabilität vorerst einstellte.

Lange Zeit galt 1907 als Gründungsjahr der Volksschauspiele. Im Illustrierten Führer der Volksschauspiele Ötigheim, der zum silbernen Piesterjubiläum Saiers erscheint, wird dieses Jahr ausdrücklich genannt. Erst 1988 ist es dem langjährigen Chronisten der Volksschauspiele, Kurt Wagner, gelungen, das tatsächliche Gründerjahr zu ermitteln.

Handlung

Der jüngere der beiden Tilly, Graf Werner, ein Neffe des geschichtlich bekannten Generalissimus der Liga, war vom bayerischen Kurfürsten zum Kommandanten der Festung Ingolstadt ernannt worden. Allerdings beschwor dies Ärger mit seinem Freund, dem Oberst Fahrensbach, herauf, einem ehrgeizigen und intriganten Menschen, der selbst auf diese Beförderung gehofft hatte. Verschärft wird der Streit dadurch, das sich beide Protagonisten in dieselbe Frau verlieben. Gräfin Elisabeth von Lichtenstein ist das Mündel des älteren Tilly, des Onkels von Graf Werner. Graf Werner vertraut trotz Warnungen die Gräfin seinem vermeintlichen Freund an und will sogar zu Gunsten des Obersts Fahrensbach von seinem Kommando zurücktreten. Währenddessen wird Ingolstadt von den schwedischen Truppen unter König Gustav Adolf eingeschlossen. Fahrensbach macht mit den Schweden gemeinsame Sache, übt Verrat und möchte Ingolstadt an die Belagerer übergeben. Durch den wagemutigen Einsatz eines Wachtmeisters bzw. der beiden Tilly wird dies vereitelt und die Stadt gerettet. Im letzten Akt stirbt der alte Tilly. Graf Werner darf die Braut, Gräfin von Lichtenstein, nach Hause führen.

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