ORSO – Verdi Reqiuem

Ein Hauch von Verona in Ötigheim

Mit der opulenten Filmmusik zu Ben Hur, der schillernd leuchtenden Tondichtung Pini di Roma und Verdis bester Oper, der Messa da Requiem, schlug ORSO ein neues Kapitel in der Geschichte der Volksschauspiele Ötigheim auf. Erstmals präsentierte sich das ORSOphilharmonic mit rund 200 Mitwirkenden in Chor und Orchester auf Deutschlands größter Freilichtbühne ganz im klassischem Gewand. Die über 80 ORSOphilharmoniker verwandelten gemeinsam mit über 100 Choristen den Tellplatz in das Kolosseum Roms, wandelten träumerisch auf der von Pinien gesäumten Via Appia, und entführten das Publikum gemeinsam mit Top-Solisten in die Mailänder Scala.

Vier internationale Opernstars verwandelten das Requiem in ein wahres Sängerfest: Fenna Ograjensek (Sopran) überzeugte bereits in der Carnegie Hall New York. Ihre zahlreichen Gastspiele reichen von der ebenfalls dort ansässigen Alice Tully Hall bis hin zur Opera Zuid in Maastricht. Anja Jung (Mezzosopran) begeisterte das Freiburger Publikum in der Walküre durch Kraft und Glanz und überbordende Spielfreude. Neben dem Tenor Maximilian Prodinger vom Opernhaus Zürich brachte Duccio Dal Monte (Bass) aus Wien Temperament und Ausdruckskraft nach Ötigheim.

Das Konzertprogramm war große Oper und große Filmmusik zugleich, wurden sowohl das Dies Irae aus Verdis Requiem, als auch Respighis Tondichtung Pini di Roma in zahlreichen Filmen verwendet. Die Verfilmung des Stoffes Ben Hur von 1952, die die Zuhörer im zweiten Teil des Abends erwartete, weist eine der aufwändigsten Filmmusiken auf, die bis dahin bekannt war. Hollywood scheute damals keine Kosten, um großes Symphonieorchester und Chor für die Erschaffung der monumentalen Klangkulisse einzusetzen. Miklós Rózsa schuf dieses Filmmusik-Epos aus dem die ORSOphilharmoniker die größten Highlights präsentierten. Auch ein Vorgeschmack auf Hooray for Hollywood – Die große Galanacht der Filmmusik, die 2018 von ORSO in Ötigheim präsentiert wird.

Fotos

Pressestimmen

Badische Neueste Nachrichten, 17. August 2017
Spektakulär und brillant

Die Freiburger Orchestra und Chorus Society, kurz ORSO, ist ein gern gesehener Gast bei den Volksschauspielen Ötigheim. Mit ihrer Rock Symphony Night begeistern sie seit 2012 die Zuhörer im Telldorf und darüber hinaus. Jetzt erlebte ihr Publikum ORSO von einer ganz neuen Seite: Neben dem Rock Symphony Orchestra gehört auch das ORSOphilharmonic zum ORSO-Projekt und trat schon mehrmals mit interessanten klassischen Programmen hervor. Für Ötigheim indes bedeutete der Auftritt eine Premiere. Wohl deswegen blieben im Auditorium merkliche Lücken.
Mit Verdis Requiem, Respighis Pinien von Rom und Auszügen aus der Filmmusik zu Ben Hur standen sowohl spektakuläre wie auch anspruchsvolle Werke auf dem Programm. Besonders bemerkenswert war, dass Dirigent Wolfgang Roese darauf verzichtete, die Messe massenkompatibel umzuarbeiten, und eine stilistisch unanfechtbare Interpretation vorlegte. Das semiprofessionelle Orchester spielte aus einem Guss und gefiel mit exzellenten Solostimmen. Auch der eindrucksvoll klangmächtige Chor trug zum großen Erfolg bei. Etwas mehr Sorgfalt hätte man sich jedoch bei den Solisten gewünscht. Einzig die Sopranistin Fenna Ograjensek überzeugte wirklich (wunderbares Libera Me). Die Altistin Anja Jung dagegen irritierte trotz beeindruckender Passagen durch eine quasi dreigeteilte Stimme, deren Teile nur selten zusammenfanden, Duccio dal Montes mächtiger Bass klingt inzwischen recht hohl und Max Prodinger zeigte sich mit engem Tenor gänzlich überfordert.
Ottorino Respighis berühmte Tondichtung I Pini di Roma brilliert mit faszinierenden Orchesterfarben und mächtigen Klangballungen, ORSOphilharmonic blieb diesen Anforderungen nichts schuldig und hielt dem Vergleich mit der Staatskapelle stand. Wie nah verwandt die sinfonische Filmmusik der 50er und 60er Jahre mit der klassischen Musik ist, hätte man kaum überzeugender demonstrieren können als mit den vier Auszügen aus Miklós Rózsas Score zu Ben Hur. Das waren Tongemälde vom Feinsten, ganz konventionell noch in der Ouvertüre und im Alleluia, kraftvoll, modern und fast schon avantgardistisch im Rudern der Galeerensklaven und mit faszinierenden Klangvaleurs im Miracle und Finale. Die Darbietung war ein wunderbares Plädoyer für die großen Meister der Filmmusik und die beste Werbung für das Konzert im kommenden Jahr, einer Galanacht der Filmmusik. (Manfred Kraft)Badisches Tagblatt, 17. August 2017
Verdi-Requiem mit ganzem Furor

Wir können auch Klassik, versprach Wolfgang Roese zu Beginn des Konzerts auf der Ötigheimer Freilichtbühne. Und trat dann zusammen mit dem Chor und dem Orchester des ORSOphilharmonic aus Freiburg gleich den Beweis an. Statt Rock Symphony – die wurde gestern Abend gespielt – stand mit dem Requiem von Giuseppe Verdi ein anspruchsvolles Werk auf dem Programm.
Schon durch den getragenen Pianissimo-Einstieg in das Stück zeigten sich Chor und Orchester bestens vorbereitet. Kern von Verdis Requiem ist das in mehrere Chorsätze und Soli unterteilte Dies irae. Hier legten Chor und Orchester unter Wolfgang Roeses engagierter Leitung mit dem ganzen Furor los, den der dramatisch konzipierte Beginn des Dies irae fordert. Der Schrecken des Jüngsten Tages samt drohendem Höllenfeuer wurde so hörbar. Daran beteiligten sich auch die intonationssicher gespielten Trompeten-Fanfaren, unterstützt durch die Echo-Trompeten am hinteren Ende der Zuschauertribüne.
Im Verlauf des Dies irae kamen die Solisten zum Zuge. Duccio dal Monte zelebrierte das Bass-Solo über den Tod herrlich düster. Anja Jung bestach durch ihre wunderbar runde, mit großem Umfang und ebensolcher Durchschlagskraft ausgestattete Mezzosopran-Stimme. Ausgesprochen süffig in schönstem Opernstil sang sie gemeinsam mit Sopranistin Fenna Ograjensek im Duett das Recordare. Tenor Max Prodinger sang mit Krafteinsatz, hatte aber gelegentlich zu kämpfen, die Spannung in der Gesangslinie zu halten. Im letzten Satz des Dies irae, dem Lachrymosa, entfalteten alle Mitwirkenden eine beeindruckende musikalische Sogwirkung.
Ausgesprochen beschwingt gaben der ORSO-Chor und das Orchester das doppelchörig gesetzte Sanctus. Sozusagen eine luftige Atempause zwischen den intensiven anderen Sätzen. Sehr ausdruckvoll gestalteten Fenna Ograjensek und der Chor das abschließende Responsorium. Über das gesamte Requiem hinweg hielten alle Mitwirkenden einen übergreifenden Spannungsbogen aufrecht. Die Begeisterung des Publikums war verdient.
Nach der Pause übten sich Dirigent Roese, die Musiker und Choristen in lustvoller Lautmalerei. Ottorino Respighis Pini di Roma eignet sich hervorragend für laue Sommernächte. Trotz der widerspenstigen Beleuchtung zauberte ORSO den düsteren Charme altrömischer Katakomben im zweiten Satz ebenso herbei wie die Naturromantik samt Vogelstimmen im dritten Satz. Zum Finale gab es die volle Klang-Dröhnung.
Einen Ausblick auf die geplante Galanacht der Filmmusik im nächsten Jahr gab es mit Musik aus dem Klassiker Ben Hur. Auch hier gingen die Mitwirkenden mit Elan ans Werk. Der Chor verlieh dem Alleluia einen mystischen Schimmer. Harte Paukenschläge und knarzende Kontrabässe illustrierten das harte Schicksal der Galeerensklaven, zu denen ja auch der Film-Held gehört. Vorübergehend, natürlich, der Gute siegt und das Finale fiel entsprechend triumphal aus. Keine Frage, ORSO kann auch Klassik. (Nike Luber)