Festliche Konzerte

Zwei ausverkaufte Konzertabende

Vom Wiener Stephansdom bis zum Budapester Burgpalast folgte der musikalische Spaziergang der Festlichen Konzerte 2019 dem Lauf der Donau und bot konzertante Tanzmusik, Operettenauszüge und einen Ballettquerschnitt auf Deutschlands größter Freilichtbühne.

Das Programm mit dem Orchester, den Chören und den Tanzgruppen der Volksschauspiele unter der musikalischen Leitung von Karl Albert Geyer spannte den Bogen von Johannes Brahms‘ Ungarischen Tänzen, Franz Lehárs Ouvertüre zur Operette Zigeunerliebe über Hector Berlioz’ Ungarischen Marsch und Ausschnitten aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza bis hin zu Auszügen aus Johann Strauß‘ Wiener Blut und Der Zigeunerbaron. Großes Feuerwerk inklusive!

Fotos

Programm

Franz von Suppé (1819-1895)
Aus der Operette „Die schöne Galathée“
Ouvertüre

Carl Michael Ziehrer (1843-1922)
„Kinderlieder-Marsch” op. 481

Johann Strauß (1825-1899)
„An der schönen blauen Donau“ op. 314

Johann Strauß (1825-1899)
Aus der Operette „Wiener Blut“
„Grüß dich Gott, du liebes Nesterl”

Johann Strauß (1825-1899)
„Zepperl-Polka“ op. 202

Johann Strauß (1825-1899)
„Tritsch-Tratsch-Polka“ op. 214

Johann Strauß (1825-1899)
Aus der Operette „Der Zigeunerbaron“
„Als flotter Geist” 
„Ja, das Eisen wird gefüge”
„Wer uns getraut” 
„Hurra, die Schlacht mitgemacht”

Johann Strauß (1825-1899)
Polka française „Im Krapfenwald’l” op. 336

Johann Strauß (1825-1899)
Polka schnell „Auf der Jagd” op. 373

Josef Bayer (1852-1913)
Potpourri aus dem Ballett „Die Puppenfee“

Pause

Franz Léhar (1870-1948)
Aus der Operette „Zigeunerliebe“
Ouvertüre

Emmerich Kálmán (1882-1953)
Aus der Operette „Gräfin Mariza“
„Wenn es Abend wird” – „Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen” „Höre ich Zigeunergeigen” 
„Komm mit nach Varasdin”

Johannes Brahms (1833-1897)
„Ungarische Tänze”
Nr. 5 – Allegro 
Nr. 6 -Vivace

Julius Fučík (1872-1916)
„Donausagen-Walzer” op. 233

Hector Berlioz (1803-1869)
Aus „La damnation de Faust“ op. 24
„Ungarischer Marsch”

Johann Strauß (1825-1899)
Aus der Operette „Die Fledermaus“
„Im Feuerstrom der Reben”

Mitwirkende

Karl Albert Geyer Musikalische Leitung
Judith Herz Sopran
Sybille Witkowski Sopran
Harrie van der Plas Tenor
Reinhard Danner Moderation und Tenor
Orchester der Volksschauspiele Ötigheim
Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim
Andrei Golescu, Julia Krug Choreografie
Großer Chor der Volksschauspiele Ötigheim
(Einstudierung: Matthias Hammerschmitt)
Kinder- und Jugendchor der Volksschauspiele Ötigheim (Einstudierung: Maria Bagger)
Michael Lerner Pyrotechnik
Andrei Golescu, Christel Wild Kostüme
Rudi Wild Spielleitung

Pressestimmen

Badisches Tagblatt, 29. Juli 2019
ZWISCHEN KLANGSATTER SCHWERE UND FLOTTER LEICHTIGKEIT

Es war heiß am Freitagabend in Ötigheim. Unbeeindruckt von den Temperaturen entfalteten das Orchester, der Kinder- und Jugendchor, der Große Chor und die Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim bei den Festlichen Konzerten vor ausverkauften Rängen den musikalischen Glanz der legendären Donaumonarchie. Wiener Charme und Pusztafeuer hieß das von Karl Albert Geyer zusammengestellte Programm. Der erfahrene Dirigent und Geiger, der lange zur Baden-Badener Philharmonie gehörte, sorgte mit den Musikern dafür, dass die Operetten-Nummern Schwung hatten und die Tänze eine straffe, federnde Rhythmik erhielten. Sehr schön unterstrich das Orchester der Volksschauspiele den Kontrast zwischen der klangsatt musizierten Schwere und den flott gespielten leichten Teilen der Ungarischen Tänze Nr. 5 und 6 von Johannes Brahms. Ausgesprochen farbenreich erklang der Ungarische Marsch aus La damnation de Faust von Hector Berlioz.

Weder Brahms noch Berlioz waren Ungarn oder Österreicher, sie spiegelten in ihren Stücken die Faszination, die Ungarn seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausstrahlte. Deshalb spielen so viele Operetten dort. Der Zigeunerbaron, Zigeunerliebe, Gräfin Mariza – die in ein enges Korsett aus Konventionen und Benehmen geschnürten Bürger träumten von der vermeintlichen Freiheit in der Pannonischen Tiefebene. Sibylle Witkowski und Harrie van der Plas besangen klangvoll und höhensicher in den Arien aus Gräfin Mariza und Der Zigeunerbaron die auf Ungarn projizierte Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft. Richard Danner und Judith Herz gaben charmant und spielfreudig das Duett Komm mit nach Varasdin. Natürlich begann das Programm der Festlichen Konzerte geografisch korrekt donauaufwärts bei Wien. Reinhard Danner, der wieder witzig durch den Abend führte, hat sogar eine Farbstatistik für diesen Fluss entdeckt. Demnach schillert die Donau im Jahresverlauf in vielerlei Farben, von Schlammbraun bis Smaragdgrün. Nur Blau, wie es Johann Strauß in seinem berühmten Walzer An der schönen blauen Donau behauptet, blau schillert der Fluss nie. Das hinderte Chor und Orchester nicht daran, mit der Wiedergabe dieses Stückes einen Hauch vom Wiener Neujahrskonzert in den Ötigheimer Sommer zu zaubern. Die vorbildliche Nachwuchsförderung der Volksschauspiele war in den Auftritten des Kinder- und Jugendchors und der Tanzgruppen zu erleben. Fröhlich und sicher sangen die Kinder und Jugendlichen den Kinderlieder-Marsch, eigentlich ein Medley, in dem sozusagen als Kehrvers Fuchs, du hast die Gans gestohlen wiederholt wurde. Auch die zwei ausgewählten Polkas aus der Feder von Johann Strauß wurden munter serviert.Das Ballett der Volksfestspiele reicht von den Kleinsten bis zur angehenden Tanzelfe auf Spitze. Andrei Golescu und Julia Krug haben für jede Alters- und Ausbildungsstufe reizvolle Choreografien einstudiert, von Insekten und Eichhörnchen bis zu unterschiedlichen Puppen in Die Puppenfee. Hier kamen die verschiedenen Talente schön zum Ausdruck, die einen tanzten gut gelaunt übermütige Harlekins, die anderen schwebten in tadelloser Haltung auf Spitze über die Freilichtbühne. Zum Donausagen-Walzer schufen die kleinen und größeren Tänzerinnen zauberhafte Tableaus. Alle Beteiligten zeigten sich- scheinbar hitzeresistent – von ihrer besten Seite. Die Solisten, der Große Chor und das Orchester verabschiedeten sich Im Feuerstrom der Reben, der unverwüstlichen und als Zugabe eingesetzten Ensemblenummer aus der Operette Die Fledermaus. Das Feuerwerk zündete zum prachtvollen Finale und das Publikum war begeistert – also alles, wie es sich für ein Festliches Konzert im Ötigheimer Theatersommer gehört. (Nike Luber)