Festliche Konzerte

6.300 Besucher zeigten sich begeistert

Wehende Union Jacks, ausgelassene Stimmung und schmetternde Kehlen: All das verbindet man mit der Last Night of the Proms, dem seit 1895 stattfindenden und von der BBC seit vielen Jahren weltweit übertragenen Abschlusskonzert der Londoner Promenadenkonzerte. Die Festlichen Konzerte mit dem Orchester der Volksschauspiele und dem Extrachor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe unter der Leitung von Ulrich Wagner trotzten dem Brexit und brachten die Konzertlegende am 20. und 21. Juli 2018 erstmals nach Ötigheim.

Das Programm spannte den Bogen von der barocken Klangpracht eines Georg Friedrich Händel, Werken der Romantik von Delius, Flotow, Verdi und Wagner über Ausschnitte aus Elton Johns und Tim Rices Broadway-Erfolg König der Löwen, Frederick Loewes 1912 uraufgeführtem Musical My Fair Lady und Cole Porters Kiss me, Kate hin zu traditionellen Proms-Klassikern wie Edward Elgars Pomp and Circumstance oder Thomas Arnes Rule Britannia und bot den hauseigenen Gruppen der Volksschauspiele ausreichend Möglichkeit sich zu präsentieren. Neben Kinderchor und Vokalensemble der Volksschauspiele unter Leitung von Maria Bagger trugen auch die verschiedenen Ballettgruppen des Theatervereins (Leitung: Andrei Golescu und Julia Krug) zum Gelingen der Last Night bei. Als stimmgewaltige Gäste begrüßten die Volksschauspiele den Extrachor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe und die Solisten Marysol Ximénez-Carrillo, sowie Eleazar Rodriguez.

Zwei tolle Konzertabende mit großem Abschlussfeuerwerk – zum Genießen, Wohlfühlen und Mitsingen.

Fotos

Programm

Friedrich von Flotow (1812-1883)
Aus der Oper Martha
Ouvertüre
Chor der Landleute
Arie des Lyonel „Ach so fromm, ach so traut“ 

Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Wassermusik
Aus der Suite Nr. 1 F-Dur
Allegro
Menuett
Bourrée
Hornpipe
Aus der Suite Nr. 2 D-Dur
Alla Hornpipe

Giuseppe Verdi (1813-1901)
Aus der Oper Macbeth
Chor der Flüchtlinge

Richard Wagner (1813-1883)
Aus der Oper Tristan und Isolde
Vorspiel zum 1. Akt

Frederick Loewe (1901-1988)
Aus dem Musical My Fair Lady
Wart’s nur ab, Henry Higgins
Hei! Heute Morgen mach’ ich Hochzeit 

Pause

Frederick Loewe (1901-1988)
Aus dem Musical My Fair Lady
Botschafts-Walzer 

Cole Porter (1891-1964)
Aus dem Musical Kiss me, Kate
Vorspiel zum 2. Akt
Aber treu bin ich nur Dir

Elton John (*1947)
Medley aus dem Musical König der Löwen (Bearbeitet von Bernard Bagger)

Victor López (Arrangeur)
James-Bond-Medley 

Frederick Delius (1862-1934)
Summer Evening 

Thomas Arne (1710-1778)
Rule, Britannia! 

Edward Elgar (1857-1934)
Aus Pomp and Circumstance
Marsch Nr. 1 Land of Hope and Glory

Mitwirkende

Ulrich WagnerMusikalische Leitung
Marysol Ximénez-CarrilloMezzosopran
Eleazar Rodriguez Tenor
Reinhard Danner Moderation
Erweitertes Orchester der Volksschauspiele Ötigheim
Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim
Andrei Golescu, Julia Krug Choreografie
Extrachor am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Projektchor der Volksschauspiele Ötigheim
Kinderchor und Vokalensemble der Volksschauspiele Ötigheim
(Einstudierung: Maria Bagger)
Michael Lerner Pyrotechnik
Andrei Golescu, Christel Wild Kostüme
Rudi Wild Spielleitung

Pressestimmen

Badische Neueste Nachrichten, 23. Juli 2018
AUF DEM TELLPLATZ GAB MAN SICH VERY BRITISH

Mal angenommen, es sind Festliche Konzerte und alle gehen hin. Da wird’s zweimal hintereinander, bei insgesamt fast 7 000 Besuchern, ziemlich kuschelig im Halbrund der Freilichtbühne, auf der diesmal very british der Union Jack im Torbogen prangte, Moderator Reinhard Danner mit schwarzer Luxuskarosse angebraust kam und bedauerte, dass die Queen leider nicht anwesend sein könne, weil ihr die 1 500 Euro fürs Taxi doch zu viel waren.
England verabschiedet sich aus der EU. Dass Ulrich Wagner geht, ist für die Volksschauspiele aber der größere Verlust, brachte es Danner, der gewohnt charmant und launig durch den dreistündigen Abend führte, gegen Ende der Ötigheimer Version von Last Night of the Proms auf den Punkt. Ein klang- und farbenprächtiges Abschiedsgeschenk hatten die mehr als 200 Mitwirkenden dem scheidenden musikalischen Leiter beschert – und dem Publikum zwei wunderbare Abende, an denen Orchester, Kinderchor und Ballettgruppen der Volksschauspiele mit dem Extrachor des Badischen Staatstheaters und Gesangsolisten dem Brexit trotzten und den Höhepunkt des Londoner Kulturlebens ins Telldorf holten.
Nach dem Vorbild des weltberühmten, seit 1895 zelebrierten Abschlusskonzerts der BBC-Promenadenkonzerte zauberten sie ein vielseitiges Programm auf die Bretter, das keine Wünsche offen ließ. Unter Wagners souveräner und wie immer temperamentvoller Leitung starteten die Musiker mit Werken Friedrich von Flotows. Zum Auftakt ließ das bestens disponierte Orchester die Ouvertüre aus Martha oder der Markt zu Richmond erklingen. Der Extrachor schmetterte den Chor der Landleute, derweil Tenor Eleazar Rodriguez bei seinem ersten Auftritt auf der Naturbühne mit der Arie des Lyonel Ach so fromm, ach so traut Furore machte.
Mit fünf prächtigen Sätzen aus Händels Wassermusik luden der Klangkörper und die von Andrei Golescu und Julia Krug trainierten, von Christel Wild mit bezaubernden Kostümen ausstaffierten Ballettgruppen zur barocken Sause auf der Themse ein. Einen bedrückend-blutrünstigen Kontrast dazu setzte der Extrachor mit Patria oppressa aus Verdis finsterer Oper Macbeth. Noch wunderlicher im Gemüte dürfte es den Zuhörern geworden sein, als das Orchester sie im Vorspiel zum ersten Akt der Wagner-Oper Tristan und Isolde mit dämonisch-melancholischer Klangmagie beglückte. Da ging’s doch beim dritten Traumpaar, Eliza Doolittle und Henry Higgins, viel lustiger zu. Mit den Worten Meine Herren, bitte vergessen Sie das Atmen nicht!, kündigte Danner den auch optisch reizvollen Auftritt von Marysol Ximénez-Carillo an, die in Ötigheim erstmals 2016 im Musical Kiss me, Kate zu erleben war und jetzt mit dem My Fair Lady-Song Wart’s nur ab, Henry Higgins verzauberte. Mit dem zweiten My Fair Lady-Song, Hei! Heute Morgen mach’ ich Hochzeit, läuteten der Extrachor, das Ballett und Reinhard Danner, der als Gesangsolist glänzen durfte, die Pause ein. Aus dieser meldeten sich die Tänzerinnen eindrucksvoll mit dem Botschaftswalzer aus demselben Musical zurück. Auf das Vorspiel zum zweiten Akt aus Cole Porters Kiss me, Kate antwortete Ximénez-Carillo mit dem Lied Aber treu bin ich nur Dir. Man wollte es ihr gerne glauben. Riesenapplaus erntete der von Maria Bagger geleitete Kinderchor für sein grandioses Medley aus Elton Johns und Tim Rices Broadway-Erfolg König der Löwen. Hut ab auch vor dem VSÖ-Ballett, das virtuos und tänzerisch einfallsreich Ausschnitte aus bekannten James Bond-Filmen in Szene setzte. Sanft, zart und wunderbar atmosphärisch ließ das Orchester Frederick Delius’ Summer Evening erklingen. Dass die Proms-Klassiker Rule, Britannia von Thomas Arne (mit Tenor Rodriguez) und Edward Elgars Land of Hope and Glory nicht fehlen durften, versteht sich von selbst. Die Party endete im Funkenregen von Michael Lerners Schlussfeuerwerk. Klasse … (Ralf Joachim Kraft)

Badisches Tagblatt, 23. Juli 2018
FUNKENSPRÜHENDES FESTKONZERT

Die Volksschauspiele Ötigheim ließen es krachen. Das kurze, aber funkensprühende Feuerwerk zum Finale war der passende Abschluss der beiden musikalisch ebenso funkensprühenden Festlichen Konzerte. Dieses Mal very british als Last Night of the Proms überschrieben. Gut, es gab keine voran gegangenen Promenadenkonzerte, kurz Proms, dafür konnten die zahlreichen Zuschauer ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm für die Last Night, also die Letzte Nacht, genießen. Für Ulrich Wagner, den musikalischen Leiter der Volksschauspiele, waren die beiden Aufführungen der Last Night of the Proms tatsächlich eine letzte Nacht, denn diese Saison wird seine letzte in Ötigheim sein. Man wird ihn dort vermissen.
Reinhard Danner führte witzig und lebendig durch den Abend. Amüsant nahm Danner beliebte Klischees aufs Korn wie das berüchtigte britische Wetter und übte sich augenzwinkernd in der Kunst des britischen Understatements. Jedes der gespielten Stücke hatte einen Bezug zur Insel, wobei die Anforderungen an alle Mitwirkenden hoch waren. Da Ulrich Wagner im Hauptberuf Chor und Extrachor am Badischen Staatstheater Karlsruhe leitet, kam der Extrachor, um den in der Ötigheimer Operette Der Vogelhändler auftretenden Chor der Volksschauspiele zu entlasten. Dem Chor der Landleute aus der Oper Martha verlieh der Extrachor des Badischen Staatstheaters spritzige Rhythmik, ausdrucksvoll gestalteten die Choristen den Flüchtlingschor aus Verdis Macbeth. In einem Medley aus dem Musical König der Löwen glänzte der klangvoll und klar singende Kinderchor der Volksschauspiele.
Vom Badischen Staatstheater kam auch einer der Solisten. Eleazar Rodriguez führte seine prachtvolle Tenorstimme mühelos durch die Arie des Lyonel Ach so fromm, ach so traut aus der in England spielenden Martha, und er achtete dabei vorbildlich auf die Verständlichkeit des Textes. Es gibt in Ötigheim keine Übertitelungsanlage, auf der man sich in dieser Hinsicht ausruhen könnte.
Mezzosopranistin Marysol Ximenez-Carrillo bestach durch ihre schöne Stimme, ihre Präsenz und ihren mitreißenden Spielwitz. Wunderbar ihre Rachefantasie Wart’s nur ab, Henry Higgins als Eliza aus My fair Lady. Und wer könnte ihrer Bianca aus dem Musical Kiss me, Kate die zahlreichen Affären übelnehmen, wenn sie so reizend erklärt werden, wie es Marysol Ximenez-Carrillo tut?
Die Volksschauspiele Ötigheim haben nicht einfach nur ein Ballett, sie verfügen über mehrere Tanzgruppen in verschiedenen Altersstufen. Sie alle hatten ihren Auftritt in der Last Night of the Proms. Andrei Golescu und Julia Krug hatten für jede Gruppe, von den ganz kleinen Ballettmäusen bis zu den erwachsenen Tänzerinnen, reizvolle Choreografien zu Händels Wassermusik entworfen. Geschickt ließen sie die einzelnen Gruppenchoreos aus dem Gesamttableau hervorgehen, der Stil passte perfekt zu den barocken Tanzsätzen, aus denen sich die Wassermusik des Wahlbriten Georg Friedrich Händel zusammensetzt.
Zu Reinhard Danners schwungvollem, tonsicheren Auftritt als Vater Doolittle mit Hei, heute morgen mach? ich Hochzeit lieferten Tänzerinnen einen flotten Cancan. Ganz anders im Ausdruck, aber ebenso punktgenau zu Musik und Inhalt, steuerten Tänzerinnen um Julian Baumstark als Agent 007 die bewegten Bilder zum Medley aus frühen James-Bond-Filmen bei. Die Beleuchtung setzte diesen Auftritt ins richtige Licht.
Kein Festkonzert im britischen Stil ohne Thomas Arnes Rule Britannia und die inoffizielle Nationalhymne Land of hope and glory. Für diese Stücke kam der Projektchor der Volksschauspiele hinzu. Das verlieh dem patriotischen Refrain von Rule Britannia den entsprechenden Nachdruck, und Eleazar Rodriguez garnierte die Solopartie mit einem glanzvollen hohen C.
Das Orchester der Volksschauspiele hatte sich bis dahin bereits als stilsicher in unterschiedlichsten musikalischen Epochen und Genres gezeigt. Selbst das äußerst anspruchsvolle Vorspiel zum ersten Akt von Wagners Tristan und Isolde wurde souverän, konzentriert und voller Spannung musiziert. In Elgars Marsch Nr. 1 aus Pomp and Circumstance, samt der Hymne Land of hope and glory, zeigte das Orchester noch einmal den beträchtlichen musikalischen Schliff, den es braucht, um das Stück in diesem Tempo und mit dieser präzisen Akzentuierung zu spielen. An diese Art von Festkonzert in diesem Stil könnte man sich gewöhnen. (Nike Luber)