Festliche Konzerte

6.600 Besucher sehen Rosen aus dem Süden

Urlaubsstimmung auf Deutschlands größter Freilichtbühne: Die Festlichen Konzerte überreichten 2017 6.600 Besuchern einen bunten musikalischen Strauß Rosen aus dem Süden. Neben dem gleichnamigen berühmten, 1880 uraufgeführten und König Umberto I von Italien gewidmeten Konzertwalzer von Johann Strauß standen Ambroise Thomas’ Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn? aus Mignon ebenso auf dem Programm wie Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana und Maurice Ravels berühmtem Bolero.

Im Zentrum der beiden Konzertabende: Ausschnitte aus Carl Zellers bekannter Operette Der Vogelhändler nach einem Libretto von Moritz West und Ludwig Held, der 2018 auf Deutschlands größter Freilichtbühne zu sehen sein wird. Die Idee zur Operette kam dem Juristen Zeller, so die Legende, bei einem Aufenthalt in den Tiroler Bergen, diesen entstammt auch die Hauptfigur des Dreiakters: Vogelhändler Adam, der seine Verlobte Christel erst dann heiraten darf, wenn er einen festen Posten hat – dies führt zu allerhand Liebesverwicklungen, die sich, so viel sei gesagt, in einem prächtigen Happy End auflösen. Das Orchester, der Große und der Junge Chor der Volksschauspiele machen u.a. mit Hurrah, hurrah, Grüaß enk Gott, Flix Flax Flux Florian und Schenkt man sich Rosen in Tirol Lust auf das Bühnenspiel.

Ein fulminantes Programm, mit Stationen in Italien, Tirol, Spanien und Südfrankreich, mit renommierten Solisten, den Chören, den Tanzgruppen und dem Orchester der Volksschauspiele Ötigheim. Großes Feuerwerk inklusive!

Fotos

 

Mitwirkende

Ulrich Wagner Musikalische Leitung · Myriam Mayer Sopran · Sarah Hudarew Mezzosopran · Max Friedrich Schäffer Tenor · Andrea Shin Tenor · Reinhard Danner Moderation · Orchester der Volksschauspiele Ötigheim · Tanzgruppen der Volksschauspiele Ötigheim · Andrei Golescu, Julia Krug Choreografie · Großer Chor der Volksschauspiele Ötigheim · Junger Chor der Volksschauspiele Ötigheim · Michael Lerner Pyrotechnik · Andrei Golescu, Christel Wild Kostüme

Pressestimmen

Heiter gestimme Klassik-Hits
Badisches Tagblatt, 24. Juli 2017

Nein, der Strauß-Walzer Mit Blitz und Donner war es nicht, der dem Festlichen Konzert auf Deutschlands größter und schönster Freilichtbühne als Motto diente. Es war der berühmte Konzertwalzer Rosen aus dem Süden, der dem feucht-fröhlichen Vergnügen das Thema vorgab für ein ausgedehntes Ohren- und Seherlebnis dank der Ballett-Formationen, den Chören und des bestens aufgestellten Orchesters der Volksschauspiele Ötigheim unter der Leitung von Ulrich Wagner.
Die Fanfaren der Blechbläser zur Verdi-Ouvertüre Die Macht des Schicksals kündigten es schon an, was hier den Besucher im vollbesetzten Rund erwartete – nämlich große Leidenschaften aus der Opern- und Operettenwelt. Inklusive dramatischer Szenen, die sich am Freitagabend am Himmel darüber abspielten. Das scheint aber den Moderator Reinhard Danner kaum davon abzuhalten, mit Geist und Witz durch das südliche Programm der Extraklasse zu führen. Das Solisten-Quartett, bestehend aus der Sopranistin Myriam Mayer, des Mezzos Sarah Hudarew, und den beiden Tenören Max Friedrich Schäffer und Andrea Shin, der kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einspringen musste, lässt wahrlich keine gesanglichen Wünsche offen. Die Ötigheimer sind bei der Suche nach vokalem Ersatz auf ihn gestoßen, weil er, wie der verschmitzte Moderator bemerkte, in der Nähe wohne. Naja, Hannover scheint doch eher im nördlichsten Zipfel Badens zu liegen! Jedenfalls überzeugte der schon vom Badischen Staatstheater Karlsruhe bekannte Koreaner mit seiner fülligen Stimme nicht nur im Duett Gia nella notte densa aus der Verdi-Oper Otello seine Partnerin Myriam Mayer, sondern auch das begeisterte Publikum. Es ist eine Liebeserklärung an Desdemona, ein Schmachtfetzen, sodass selbst der Wettergott tief berührt vorerst die Unheil verkündenden Wolken auseinander schiebt. Dass danach Ballettmusik gerade aus Rossinis? Wilhelm Tell erklingt, macht hier, auf dem Tellplatz, natürlich Sinn. Dabei dürfen auch die Nachwuchs-Ballerinen ihre Anmut zeigen. Schon im Intermezzo aus Mascagnis Oper Cavalleria rusticana lässt die ausgeklügelte Choreografie von Julia Krug und Andrei Golescu die Tänzerinnen das Geschehen bildhaft auf die Bühne bringen. Ein Vorgeschmack auf die nächste Saison wird serviert, nämlich Arien und Szenen aus Carl Zellers unverwüstlicher Operette Der Vogelhändler.
Das sind Appetit-Häppchen, die jetzt schon ziemlich nahrhaft sind. Wenn Tenor Max Schäffer bis zur Premiere im nächsten Jahr seine Stimme noch schult, könnte es ein Erlebnis werden. Bei Schenkt man sich Rosen aus Tirol steht längst auch der Riesenchor auf der Bühne, der sich zuvor bei Hurrah, Hurrah höchst eindrucksvoll präsentiert hat. Dabei war nicht unbedingt das Geschehen am Himmel gemeint, der sich nun mit äußerst feuchten Ergebnissen ins Konzert einmischt.
Wer sich beim Pausen-Sekt nicht hurtig unter ein schützendes Dach begibt, wird mit Schorle verwöhnt. Die Choreografie des Balletts erfährt auch eine unfreiwillige Erweiterung. Die Tanzbühne wird zur Schaubühne von kräftigen Männern mit Wasserschiebern. Trotz dieses Einsatzes ergeben sich die Tänzer danach mutig in die Fluten, die ihre Tutus durchnässen. Derweil wischt Bernd Kölmel seelenruhig seine Paukenfelle trocken – immerhin sitzt das Orchester unter einem schützenden Dach. Komik pur: Die Choreografie sieht eine Begießung vertrocknender Rosen vor. Das perfekt agierende Ensemble lässt sich von der Himmelsflut aber nicht beeindrucken.
Die Tenor-Arie O sole mio passt irgendwie auch wunderbar zu dieser Flut. Tenor Shin schmettert gegen die Unbilden des Himmels an, dass fast schon sonnige Urlaubsstimmung aufkommt. Der lautstarke Applaus am Ende für alle Mitwirkenden wäre auch bei normalen klimatischen Verhältnissen angebracht gewesen. Aber etwas fehlt noch in Ötigheim. Na klar, das Feuerwerk! Keine Ahnung, wie sie das hinbekommen. Aber bei Ravels Bolero zischt, blitzt und funkt es mächtig – dieses Mal unten auf der Bühne. Viele der Darsteller sind zwar bis auf die Haut nass, aber sich eines Auftritts bewusst, der so schnell nicht vergessen wird. (Udo Barth)

Glänzendes für Ohren und Himmel
Badische Neueste Nachrichten, 24. Juli 2017

Rosen aus dem Süden wollten die Volksschauspiele Ötigheim bei ihrem diesjährigen Festlichen Konzert präsentieren und hatten hierzu ein buntes Programm zusammengestellt, das von der Operette bis zum Konzerthit alles bot, was das Herz des Musikfreunds mit dem Süden verbindet. Der italienischen Oper wurde sowohl mit der Ouvertüre zu Verdis Die Macht des Schicksals wie auch mit dem Liebesduett aus seiner Oper Otello gehuldigt. Durch die krankheitsbedingte Absage von Jung-Heyk Cho kam es zur bejubelten Wiederbegegnung mit Andrea Shin, bis vor zwei Jahren Mitglied des Badischen Staatstheaters, dessen Stimme in der Zwischenzeit noch voller und cremiger geworden ist. Leider hatte er in Myriam Mayer keine adäquate Partnerin, stimmlich und stilistisch stand sie der Desdemona recht hilflos gegenüber. Als hübsche Ballett-Piece verpackte man Pietro Mascagnis Intermezzo aus Cavalleria rusticana, mit dem Pas de Six aus der Ballettmusik zu Rossinis Guillaume Tell schlug man den Bogen von der italienischen zur französischen Oper.
Hier hatte Sarah Alexandra Hudarew ihre großen Auftritte. Wirkte sie für die junge Mignon vielleicht eine Spur zu damenhaft, so war Connais tu le pays dennoch wunderbar gesungen und Dalilas Mon coeur s’ouvre à ta voix wäre wohl nicht nur Samson zum Opfer gefallen. Mitch Leighs Impossible Dream erklang in einer interessanten Chor-Fassung, die jedoch etwas unter der Sopranlastigkeit des Jungen Chors der Volksschauspiele litt. Dafür riss Andrea Shin mit dem unvergänglichen O sole mio zu Begeisterungsstürmen hin.
Ein wenig Werbung betrieb man auch für die kommende Spielzeit. Mehrere Ausschnitte stellten Carl Zellers Operette Der Vogelhändler vor, die im nächsten Sommer auf dem Spielplan stehen wird. Ein Wiedersehen gibt es dann mit Myriam Mayer, welche die Kurfürstin singen wird (und die als Operettendiva einen weitaus besseren Eindruck hinterließ denn als italienische Sopranistin) und mit Max Friedrich Schaeffer, der als Adam zu sehen sein wird.

Zwei großartige Ballettperlen rundeten den Abend ab und festigten den Eindruck der überaus positiven Entwicklung des Balletts der Volksschauspiele in den vergangenen Jahren. 54 Mitwirkende für Johann Strauß’ Rosen aus dem Süden sprechen für sich und Ravels Bolero wurde von 14 (!) männlichen Tänzern verstärkt, eine erfreuliche Neuerung.
Andrei Golescu und Julia Krug hatten nicht nur die kreativen Choreografien entwickelt sondern diese auch glänzend mit dem Ensemble umgesetzt. Souveräner Spiritus Rector war wie gewohnt der musikalische Leiter der Volksschauspiele Ulrich Wagner, und als charmanter Moderator agierte Reinhard Danner. Ein abschließendes Lob geht an Pyrotechniker Michael Lerner für das begeistert bejubelte Feuerwerk. (Manfred Kraft)