Entstehungsgeschichte

1905 trat Pfarrer Josef Saier sein Amt in Ötigheim an. Bei seiner seelsorgerischen Tätigkeit lag ihm besonders die Jugend im Dorf am Herzen. Er fürchtete, dass sie durch die zunehmende Industriearbeit dem dörflichen Leben entfremdet würde und wollte ihr deshalb eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten. Zu diesem Zweck gründete er 1906 die Volksschauspiele Ötigheim. Unter der freiwilligen Mitarbeit zahlreicher Helfer wurde eine nahe beim Dorf gelegene Kiesgrube zu einer Bühne umfunktioniert und schon am 30. September 1906 fand mit Die beiden Tilly dort erstmals eine Aufführung statt. Aufgrund der großen Nachfrage wurde das Stück im folgenden Jahr einige Male wiederholt. Bis 1910 ruhte der Spielbetrieb. In diesem Jahr gelang dann mit Schillers Wilhelm Tell der große Durchbruch, und die Begeisterung, die der Klassiker beim Publikum und bei den Mitwirkenden auslöste, führte dazu, dass der Tell auch 1911 und 1913 auf dem Spielplan stand. 1913 sahen über 100.000 Zuschauer Wilhelm Tell. Er ist das in Ötigheim am häufigsten aufgeführte Drama, und die Ötigheimer Volksschausspieler identifizieren sich bis heute soweit mit diesem Stück, dass sie die in der Kiesgrube entstandene Bühnenanlage bis heute ihren Tellplatz nennen.

 zurück